Seine Freunde und Poker-Buddies nennen ihn längst die “Satellite-Maschine“. Bei großen Events wie der World Series of Poker (WSOP) hat er schon mit Legenden wie Phil Ivey, Daniel Negreanu oder Phil Hellmuth Jr. am Tisch gesessen. Ich kenne Alessandro seit vielen Jahren – höchste Zeit also, dem Satellite-Champ einmal richtig auf den Zahn zu fühlen.
Potti: Hi Alessandro, wir kennen uns zwar schon viele Jahre – aber stell dich bitte trotzdem kurz unseren Lesern vor. Wo lebst du aktuell, was machst du beruflich und wie hat alles mit dem Poker bei dir angefangen?
Alessandro Laubinger: Servus Martin und hallo an alle Pokerfreunde. Ich bin Alessandro, 45 Jahre alt und komme aus der ostwestfälischen Metropole Paderborn (grins). Beruflich bin ich seit über 22 Jahren in der Mobilfunkbranche tätig, seit mehreren Jahren selbständig und betreibe unter anderem einen Mobilfunkshop.
Pokern hat mich schon als Kind fasziniert, weil mein Opa ebenfalls eine große Leidenschaft für das Spiel hatte. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich mit meinen Cousins im Kinderzimmer um Pfennigstücke aus der Spardose gespielt habe – klassisch mit fünf Karten auf der Hand und einmal tauschen dürfen.
So richtig los aber ging alles 2011 mit der EPT Berlin. Ich hatte mich damals Online über ein € 1 Satellite in den Step-Turnieren bis zum EPT Berlin Package hochgespielt. Das Paket hatte einen Wert von rund € 8.000 inklusive Hotel, Reisekosten, Taschengeld und dem € 5.300 Main-Event-Ticket. Für mich als völlig ahnungslosen Hobbyspieler war das ein absolut verrücktes Erlebnis. Plötzlich saß ich da mitten im Pokercircus an einem Tisch mit den großen Namen. Mit Leuten, die ich bis dahin nur aus dem Fernsehen von Pokersendungen kannte.
Und was ich dann bei der EPT Berlin erlebt habe, das war einfach nur wild und komplett verrückt. Ich habe die ersten beiden Starttage überstanden, war dann an Tag 3 zwischenzeitlich sogar Chipleader des Main-Events. Und saß dann irgendwann mit einer riesigen Batterie an Chips am TV-Tisch. Nur noch 24 Spieler im Turnier. Das fühlte sich damals alles völlig surreal für mich an.
Leider habe ich auf dem Weg zum Final Table dann mit AA gegen KK einen Monsterpot verloren, als sich mein Gegner, nachdem alle Chips vor dem Flop in die Mitte gingen und die Doorcard beim Aufdecken des Flops sogar noch ein Ass für mich zeigte, mit vier Piken auf dem Board einen Flush gebastelt hat. Ab dieser Hand ging es steil bergab, und am Ende wurde es nur Platz 19. Klar wäre mehr drin gewesen. Aber für mich und meine damalige Bankroll war das Preisgeld von € 20.00 im Nachhinein betrachtet schon auch eine fette Summe.
Dieses Erlebnis hat mich so geflasht und inspiriert, dass ich mich intensiver mit dem Spiel beschäftigt habe. Ich wollte unbedingt im Pokercircus mitmischen und wurde förmlich gierig auf mehr solcher Erlebnisse.
Potti: Du hast dich in den letzten Jahren immer wieder für große Events qualifiziert – unter anderem mehrmals für die WSOP in Las Vegas, inklusive Teilnahme am Main Event. Vor einigen Wochen bei GGPoker gleich doppelt für die WSOP Paradise auf den Bahamas. Worin liegt deiner Meinung nach der Schlüssel zu diesen häufigen Erfolgen? Da kann man ja nicht mehr von Zufall sprechen.
Alessandro: Hahaha, ja, das stimmt. Ich habe wirklich fast alle großen Events ausschließlich über Online-Satellites gewonnen. Und hätte mir die Reisen wie Buy-Ins für die Turniere aus eigener Tasche auch eh nie leisten können. Da waren mittlerweile ja schon einige 10K-Events dabei – unter anderem mehrmals das WSOP-Main-Event in Las Vegas. Auch die Bahamas durfte ich 2013 schon einmal spielen, ebenfalls über ein $25 Satellite.
Dieses Jahr war allerdings dann wirklich komplett verrückt. Ich habe kurz vor dem Sommer gleich zweimal das WSOP-Vegas-Package über GGPoker gewonnen. Einmal über die Super Sunday Deutschland Edition mit tatsächlich nur € 1 Einsatz. Und einmal regulär über die “Road to Vegas“ Promo mit einem Einsatz von $20. Dann kam noch das WSOP-Europe-Package für das Kings Casino im Oktober dazu und zum Schluss habe ich mit dem WSOP Paradise Express Pass im Wert von $30.000 endgültig den Vogel abgeschossen – davon gleich zwei Stück.
Beide Male kamen die Tickets über den $2.500 Step der WSOP Express Satellites. Ich habe mich nicht eingekauft, sondern in zwei kleinen Mystery-Bounties die Tickets in den Truhen geöffnet – völlig verrückt. Innerhalb von 14 Tagen habe ich also zweimal das $2.500er-Finale gespielt und zweimal gewonnen.
Natürlich brauche ich auch Glück – keine Frage. Aber Satellites sind eine komplett eigene Disziplin. Geradliniger, geduldiger und aus meiner Perspektive viel weniger Ego-gesteuert. Es geht ja nicht darum die meisten Chips zu generieren. Sondern primär immer nur darum zu überleben. Ein Chip reicht theoretisch. Viele überschätzen sich da oder spielen meiner Meinung nach zu aggressiv. Erfahrung hilft mittlerweile natürlich ebenfalls sowie ein Gespür für den eigenen Stack im Vergleich zum Stack der Gegner. Und Geduld ist natürlich auch ein ganz wichtiger Faktor.
Potti: Viele träumen davon, es dir gleichzutun und sich einmal für ein großes Live-Event zu qualifizieren. Was würdest du ihnen raten oder anders gefragt: Was wären deine TOP 3 Tipps?
Alessandro:
1. Glaube an dich. “Dream Big“. Das klingt zwar kitschig, aber der unbedingte Wille bringt dich weit.
2. Step-Tickets sammeln. Ich habe oft wochenlang die kleinen Steps gespielt und viele Tickets gebunkert, bevor ich dann die nächsthöhere Stufe angegriffen habe. Alles immer innerhalb meiner Bankroll – nie darüber.
3. Geduld. Viel Geduld. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Wer denkt, er holt sich ein Package in 1-2 Tagen, der wird schnell frustriert sein. GGPoker bietet die Steps ja bereits etliche Monate vor dem eigentlichen Großevent an. Man hat somit alle Zeit der Welt, sich für kleines Geld hochzuarbeiten.
Potti: Jetzt steht die WSOP Paradise an. Du fliegst mit Familie rüber. Wird das eher ein Urlaub garniert mit ein wenig Turnierpoker? Oder ein Turnier mit Karibik-Urlaubsfeeling? Und wie bereitest du dich für so ein $25.000-Turnier mit einer garantierten Preisgeldgarantie von 60 Millionen Dollar vor?
Alessandro: Ich nehme diesmal bewusst meine Frau und mein Kind mit. Dieser Ort ist traumhaft und es fühlt sich für mich einfach richtig an, mein liebstes Hobby mit Familienzeit zu verbinden. Der Rückhalt wird mir guttun. Gerade nach dem letzten Sommer in Las Vegas, wo ich drei Wochen völlig allein gegrindet habe, habe ich gemerkt, wie sehr mir meine Familie fehlte.
Die Buy-ins bei der WSOP Paradise sind für meine Gewichtsklasse eigentlich viel zu hoch 😊. Darum liegt mein Fokus komplett auf dem Freeroll im 25k Super-Main-Event, für das ich ja sogar zwei Tickets habe. Falls ich früh busto gehe, habe ich eine zweite Chance – das nimmt schon mal enorm Druck raus. Und vielleicht spiele ich ganz am Ende der Series noch das 2.500er Closer. Das passt so gerade noch ins Budget (Smile).
Vorbereiten werde ich mich diesmal kaum – auch wenn das Event mit einem Buy-In von $25.000 das mit Abstand größte Turnier meines Lebens ist. Ich will versuchen es wie ein normales $10-Event zu spielen. Nicht blenden lassen vom Buy-in, nicht blenden lassen vom 60 Millionen-Preispool. Klar, es ist life-changing money. Klar, die Trophy wäre ein Traum. Aber ich möchte mit Spaß, Freude und Selbstvertrauen reingehen. Ich hoffe das gelingt mir.
Und egal wie es ausgeht: Ich bin dankbar, dort zu sein. Und wenn ich am Ende ohne Cash dastehe, dann schnappe ich mir meinen kleinen Sohn und sehe ihm beim Rutschen im Atlantis Resort zu. Dann bin ich trotzdem ein Gewinner. 😊
