„Warum sollte ich immer gegen dieselben 20 Stammspieler spielen, während das Casino Rake kassiert?“
Das ist ein Satz, den man in den Pokerrooms von Las Vegas überall hört und er trifft ziemlich oft nicht das, was tatsächlich passiert. Es sieht so aus, als würden manche Pokerrooms in Vegas nicht deshalb an Bedeutung verlieren, weil Poker weniger attraktiv geworden ist. Poker gerät unter Druck, weil Casinos zunehmend andere, glänzendere Dinge lieber haben.
Eines der größten Beispiele der letzten Zeit war kein endgültiger Tod, aber höchst symbolisch. Menschen lieben Drama, und die (sozialen) Medien lieben es noch mehr.
Der Pokerroom im Caesars Palace wurde 2024 geschlossen und blieb deutlich länger weg als ursprünglich erwartet. Der Grund war auf dem Spreadsheet ziemlich offensichtlich: Caesars verwandelte die Fläche während der Renovierungsarbeiten in einen High-Limit-Slot-Bereich. Poker kehrte 2025 schließlich zurück aber die Botschaft war kaum zu übersehen. Das Management hatte sich den Grundriss angesehen und entschieden, dass Slots den Kampf um die Quadratmeter gewinnen würden.
Der Pokerroom im Planet Hollywood feierte ein sehr willkommenes Comeback, veranstaltete einige prestigeträchtige Events und schloss nach ein paar Monaten wieder. 8/10 für den netten Versuch.
Das Gerede innerhalb der Branche konzentriert sich häufig auf schwächere Pokerrooms, die zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre Existenz zu rechtfertigen. Während neue Properties wie Durango oder Fontainebleau von Anfang an komplett auf Poker verzichteten, haben mehrere Häuser im lokalen Markt nach der Pandemie wiedereröffnet, ohne Poker überhaupt zurückzubringen oder mit einem Raum aber ohne einen ernsthaften Entwicklungsplan.
Pokerrooms wie der im Resorts World spiegeln ein größeres Problem wider: wenn ein Room nicht genügend erzeugt, sehen Casinos Pokerflächen zunehmend als anderweitig nutzbare Immobilienfläche. Das ist eigentlich schon die ganze Geschichte.
Vor allem dann, wenn der Preis des Gebäude, in dem sich der Pokerroom befindet in Tausende Millionen gezählt wird.
Pokerrooms in Vegas sterben
Diese Formulierung lässt sich leichter raushauen als: „Poker ist zum Mieter geworden, dessen Mietvertrag ständig neu verhandelt werden muss.“ Das schmutzige kleine Geheimnis, das eigentlich jeder kennt: Casinos wollen Poker nicht wirklich.
Casinos lieben Spiele, bei denen das Haus einen direkten Vorteil hat, wo Spieler kontinuierlich Geld verlieren und die Einnahmen einfach skalieren können. Das großartige Pokerspiel tut nichts davon für das Casino. Im Vergleich zu allen anderen Spielen, ist es einfach nur so-so Business und so-so Business wird zunehmend schwer zu rechtfertigen, wenn die Betriebskosten steigen, die Zinsen über Jahre hoch bleiben und ein neuer Manager ins Unternehmen kommt und die einzelnen Geschäftsbereiche anhand von Zahlen auf dem Papier überprüft.
Pokerrooms kassieren Rake von den Spielern, und das Casino kassiert im Grunde Rake vom Pokerroom. Die Spieler bekämpfen sich gegenseitig, aber das Haus gewinnt trotzdem, ohne beim Poker überhaupt mitzuspielen. Wunderschön. Aber nicht schön genug im Vergleich zu dem, was alle anderen Spiele einbringen.
Natürlich sind auch die Kosten für den Betrieb eines Pokerrooms gestiegen. Wahrscheinlich aber weniger stark als die Ausgaben der Casinos für ihre eigenen Betriebskosten, Refinanzierungen von Schulden und Dividendenzahlungen. Ein Pokerroom voller Grinder kann stundenlang laufen, während sich ungefähr dasselbe Geld immer wieder zwischen den Spielern bewegt. Aus Sicht eines Casino-Managers erzeugt ein Pokertisch weniger Umsatz als dieselbe Fläche mit Premium-Slotmaschinen. Deshalb werden Pokerrooms häufig in Ecken, Flure, abgelegene Mezzanine-Bereiche oder in die Nähe dunkler Sportsbooks geschoben.
Poker überlebt in Casinos nur, weil es Kunden bringt. Für die anderen Spiele. Nicht weil Poker die profitabelste Nutzung der Fläche wäre.
Um einen guten Pokerroom zu betreiben, brauchen Casinos mehr Platz, besser ausgebildetes Personal und außerdem mehr Marketing als für praktisch jedes andere Spiel, das sie anbieten. Und am Ende wird es trotzdem immer dort sein, wo sie am wenigsten Geld verdienen.
Genau da verlieren Pokerroom-Manager bei Meetings entweder komplett die Aufmerksamkeit der Führungsebene oder lösen deren Skepsis aus. So oder so: Poker ist eigentlich nie ein gutes Thema für einen Konzern.
Vielleicht ist es einer der härtesten Jobs in einem Casino, Pokerroom-Manager zu sein und ständig den Vorstandsmitgliedern erklären zu müssen, warum Poker gut für das Haus ist, während diese in jedem einzelnen Quartal auf mittelmäßige Zahlen in der Bilanz zeigen.
Die perfekte Ausrede für einen Umschwung
Vor 2020 war Poker eine treibende Kraft für Besucherzahlen. Casinos betrachteten Poker als Prestigeangebot, und einige große Rooms halfen sogar dabei, die Marke einiger Häuser zu definieren.
Nach 2020 stellten Casino-Manager dieselben alten Fragen nur mit deutlich mehr Nachdruck: „Brauchen wir wirklich 25 Pokertische?“ „Könnten wir mit dieser Fläche nicht auf andere Weise mehr Umsatz generieren?“
Die Rooms, die überlebt haben, hatten im Allgemeinen einen dieser Vorteile: starke touristische Nachfrage, große Turnierserien oder starke lokale Communities. Alle anderen gingen in den Überlebensmodus. Sie entwickelten sich weiter oder schlossen.
Pokerrooms in Vegas sterben nicht
Poker verschwindet nicht. In der Wirtschaft nennt man das „Kapital konzentriert sich“. Es ist etwas völlig Normales, das passiert, wenn Betriebskosten, Zinsen oder beides zu hoch sind, um noch einen zufriedenstellenden Gewinn zu erzeugen. Im Moment sind beide hoch, während der Appetit auf Profit riesig ist. Die perfekte Sh–show. Und irgendjemand muss immer bezahlen.
Die Poker-Action in Vegas konzentriert sich inzwischen an Orten wie Bellagio, Aria, Wynn, Venetian oder Horseshoe. Diese Rooms sind zu einer Art großen Flughäfen geworden. Kleinere Rooms werden zu Regionalflughäfen mit einem spezifischeren Angebot. Und es gibt auch die Flughäfen, die einige ihrer Flugverbindungen komplett verlieren. Es ist weniger dramatisch als ein Tod. Es ist ein Markt, der sich verändert. „The Death of Vegas Poker“ funktioniert als Titel natürlich besser.
Die Realität ist: Ein Gelegenheitstourist hat nie zwanzig mittelmäßige Pokerrooms gebraucht genauso wenig wie jemand im Supermarkt zwanzig verschiedene Zahnpastamarken braucht. Fünf gute Rooms könnten völlig ausreichen. Oder verschiedene Rooms können unterschiedliche Vibes und Vorteile anbieten.
Für Locals ist der Strip zu einem Ort geworden, an den man lieber nicht mehr fährt, weil die Preise übertrieben sind. Und auch das beginnt, die Denkweise des Managements zu verändern. Einige Casinos konzentrieren sich inzwischen wieder stark auf die lokale Kundschaft, etwa South Point oder Casinos von Station Casinos wie Durango und Red Rock Resort.
Pokerrooms sind nicht die Hauptgeschichte von Vegas
In den vergangenen Jahren hat die Fusions- und Übernahmeaktivität in der Casinoindustrie stark zugenommen. Eine der größten Schlagzeilen war die Übernahme von Caesars durch Fertitta Entertainment, ein gigantischer Deal im Wert von vielen Milliarden. Ungefähr zur gleichen Zeit wurde MGM Ziel eines großen Übernahmeangebots. Tatsache ist: wenn Milliardäre anfangen, 10 bis 12 Stellen vor dem Komma zu bewegen, um Casinounternehmen zu kaufen, spricht während der Verhandlung niemand allzu lange über Pokerrooms. Investoren kaufen Kundendatenbanken, Loyalty-Programme, Hotelinventar, Sportsbook-Operationen, Immobilien, digitale Gaming-Assets und Veranstaltungslizenzen.
Poker taucht auf dem Akquisitions-Spreadsheet wahrscheinlich kaum auf.
Scaling ist wichtiger als Produktvielfalt
Das alte Casino-Modell war: „Lasst uns alle ansprechen und ihnen alles anbieten. Das wird großartig!“
Das neue Modell fühlt sich eher so an, als hätte jemand das Geschäftsmodell von Low-Cost-Airlines kopiert und auf die Unterhaltungsindustrie angewendet. Natürlich ist es weniger angenehm als früher. Das wissen sie.
Wenn ein Pokerroom das Ökosystem unterstützt: großartig. Wenn nicht, beginnt das Management, schwierige Fragen zu stellen. Die Inhaber sind nicht fieser geworden. Der Grund ist dass je größer die Eigentümergruppe wird, desto datengetriebener sind die Entscheidungen und desto weniger sind sie mit der operativen Realität und dem „Vibe des Hauses“ verbunden.
Das bedeutet normalerweise: mehr Effizienz, mehr Standardisierung und weniger Sentimentalität. Alles völlig normal. Die Zeiten, in denen ein Pokerroom beibehalten wurde, weil „das eben zur Vegas-Kultur gehört“, gehen eindeutig zu Ende.
Das Spreadsheet ist Gesetz geworden.
Ein weiterer Reibungspunkt ist, dass sich das Verhalten der Konsumenten verändert hat. Primm wurde auf einer brillanten Idee der 1980er- und 1990er-Jahre aufgebaut: Kalifornier abfangen, bevor sie Las Vegas erreichen. Jahrzehntelang funktionierte das. Aber die Welt hat sich stark verändert und die Menschen haben ihre Gewohnheiten verändert. Die Casinos haben nicht besonders gut zugehört. Heute ist es ein toter Ort in der Wüste an der Grenze. Atlantic City erzählt eine ähnliche Geschichte nur mit Meeresfront statt Wüste.
Das Problem mit Spreadsheets ist, dass sie immer Recht haben, aber niemals die Realität abbilden. Oder wie das Zitat, das häufig Aaron Levenstein zugeschrieben wird, es viel besser ausdrückt: „Statistiken sind wie Bikinis. Was sie enthüllen, ist suggestiv aber was sie verbergen, ist entscheidend.“
Realitätscheck: Wandel ist kein Tod
Ok, alle im besten Bikini! Las Vegas Poker könnte in den kommenden Jahren durchaus kleiner und konzentrierter werden. Die ikonischen Rooms werden höchstwahrscheinlich überleben, während einige marginalere Rooms weiter verschwinden oder ihr Angebot neu überdenken werden.
Gleichzeitig wird sich das Casino-Eigentum wahrscheinlich weiter auf Unternehmen konzentrieren, die sich auf Hospitality-Ökosysteme, Loyalty-Datenbanken, Sports Betting und digitales Gaming konzentrieren. Weniger auf traditionelle Casino-Floor-Nostalgie und das Experimentieren mit neuen Gaming-Konzepten.
Als Unternehmen konsolidiert man nicht, um den Mitarbeitern oder Kunden mehr zu geben.
Diese Pokerroom-Schließungen sagen daher nicht in erster Linie aus, dass Poker scheitert. Sie sagen uns vielmehr, dass moderne Casino-Betreiber jeden Quadratmeter zunehmend als Investmentportfolio betrachten. Ein Pokertisch muss seine Miete und seine Betriebskosten rechtfertigen, genau wie jedes andere Produkt eines Unternehmens.
Der Effekt der Marktkonzentration wird noch verstärkt, wenn Konsumenten beginnen, dem Cashflow zu folgen, den das Casino-Management für sie geschaffen hat. Wenn kleinere Rooms keine Wege finden, attraktiv zu bleiben, trocknen sie aus. Genau das passiert immer, wenn Retail gegen Kapital antritt: Airlines, Medien und jetzt zunehmend auch Casino-Gaming. Die Mitte wird gesqueezt, zerquetscht.
Auf der anderen Seite gilt: so wie nicht jede Stadt ein großes Stadion braucht, braucht jedes Casino nicht unbedingt einen Pokerroom. Die wenigeren, die übrig bleiben, werden dadurch automatisch zu größeren Destinationen. Diese Betrachtungsweise ist weniger düster und wahrscheinlich näher an der Realität.
Eine weitere Geschichte, die man beobachten kann, ist die Frage, ob sich Casino-Betreiber langsam von Gaming-Unternehmen zu Hospitality- und Datenunternehmen entwickeln. Wenn Aktienexperten heute den Wert einer Casino-Gruppe beurteilen, interessieren sie sich häufig für Hotelauslastung, Mitglieder von Loyalty-Programmen, Mobile-Betting-Nutzer, Convention-Business oder vermögende High-Net-Worth-Kunden.
Wie viele 1/3-Tische an einem Dienstag Nachmittag laufen, ist nicht entscheidend.
Selbst wenn diese Zahlen beeindruckend sein sollten. In den Corporate Meetings ist niemand davon beeindruckt. Poker bleibt kulturell wichtig. Aber für viele große Casino-Konzerne ist Poker strategisch nicht mehr zentral.
Für ein Poker-Medienunternehmen wie unseres ist genau diese Spannung im weltweiten Zuhause des Live-Pokers interessant zu beobachten, denn die eigentliche Frage scheint weniger zu sein: „Ist Poker tot?“ Sondern: „Braucht das Casino Poker heute weniger, als Poker das Casino braucht?“
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