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The Rounder

Ein bunter und abstrakter Hintergrund mit verschiedenen Linien und Mustern in den Farben Blau, Grün, Gelb und Rot.

Die Schlange und das Pferd: wie die Black Mamba auf den Lusitano traf

Es war einmal, eine flinke Schlange, die ziemlich gut darin geworden war, andere Tiere zu lesen. Sie konnte Unsicherheiten gut erkennen, konnte Bluffs durchschauen, und spürte, wann ein Rivale zum Angriff überging. Jahrelang hatte sie sich in Umgebungen bewegt, in denen Protagonisten des ganzen Tierreichs versuchten, einander auszutricksen. Geduld, Timing und die Fähigkeit, mit dem Unbewussten umzugehen, waren ihr vertraut.

Die ganze Tierwelt nannte sie die Black Mamba. Ein passender Name, der sie gut beschrieb und den sie sich verdient hatte.

Doch irgendwann wurde der Schlange die immer gleiche Umgebung zu eng. Sie sehnte sich nach frischer Luft, nach Natur und nach einer Welt, in der nicht jeder Zug eine kalkulierte Entscheidung sein musste. Ihre Suche führte sie nach Portugal. Dort begegnete sie einem schönen Lusitano-Pferd: elegant, aufmerksam und mit einem ganz eigenen Verständnis von Körpersprache. Der Vierbeiner versteckte nicht seine Karten und wollte niemanden bluffen. Das heißt nich, dass er nicht aufmerksam war. Der Lusitano bemerkte trotzdem die kleinste Anspannung, vielleicht sogar noch bevor sein Gegenüber sie selbst wahrnahm.

Auf den ersten Blick hatten die beiden nicht sehr viel gemeinsam. Gerade das macht Begegnungen ab und zu interessant. Die Schlange kannte sich mit Geduld, Timing und Ungewissheit aus. Das Pferd, wie sich herausstellte, ebenfalls, aber anders. Vielleicht hatte die Schlange also gar nicht so radikal die Welt gewechselt. Vielleicht hatte sie nur eine andere Art gefunden, sie zu lesen und zu leben.

Die Frau hinter der Black Mamba

Die Schlange ist natürlich nur eine Geschichte. Sandra Naujoks hingegen ist alles andere als eine Fabelgestalt. Wer die letzten 15 Jahre Pokermedien nicht verpennt hat, oder 2009 nicht noch voll in der Pubertät steckte und das Pokerspielen noch nicht für sich entdeckt hatte, erinnert sich eventuell daran, als sie das Main Event der European Poker Tour in Dortmund gewann. Als Black Mamba gehörte sie zu den bekannten Gesichtern der internationalen Pokerszene. Später machte sie sich diskreter und zog sich für Jahre weitgehend aus der Pokerwelt zurück.

Heute lebt sie auf dem portugiesischen Land, umgeben von Natur und Pferden. Poker ist wieder Teil ihres Lebens, aber die Geschichte dazwischen ist mindestens genauso interessant wie das Comeback selbst.

Dann, plötzlich: ein Äffchen, das fröhlich durch die Landschaft zieht, stets eine Kamera im Gepäck. Eines Tages führte ihn seine Reise ins wunderschöne portugiesische Hinterland, wo er die Schlange und das Pferd besuchte. Die beiden freuten sich über den Besuch und, wie es sich für einen Affen mit Kamera gehört, hielt er ein paar schöne Erinnerungen fest, die er von seinem Ausflug mit nach Hause brachte.

Wir haben mit Sandra darüber gesprochen, wie aus einer Pokerspielerin ein Pferdemensch wurde, warum sie elf Jahre lang keine Karten in der Hand hatte und weshalb das Kapitel Poker doch noch nicht abgeschlossen war.

Portugal, Pferde und Poker

Damiano: Deutschland verlassen? Warum und warum ist es ausgerechnet Portugal geworden?

Sandra: Für mich stand eigentlich immer fest, dass ich Deutschland irgendwann verlassen würde. Ich wusste nur lange nicht, wann. Meine Mutter war damals krank, und solange sie lebte, wollte ich in ihrer Nähe bleiben. Erst nach ihrem Tod bin ich das Thema wirklich angegangen. Portugal war mein Traumziel, vor allem wegen des Wetters und der Lusitanos.

 

Heute lebe ich auf dem Land, mit Pferden und viel Natur, deutlich entschleunigter als früher. Das war eine große Veränderung und nicht immer einfach. Ein neues Leben aufzubauen, weit weg von allem Vertrauten, bringt zwangsläufig schwierige Phasen mit sich. Aber gerade daraus habe ich viel gelernt.

Damiano: Das Kuriose ist: Die Pferde kamen eigentlich erst durch Poker in dein Leben. Richtig? Wie kam es dazu?

Sandra: Ich war überhaupt kein Pferdemädchen. Wirklich nicht. Die Pferde kamen, weil ich irgendwann einen Ausgleich zum Pokern gesucht habe. Poker findet fast ausschließlich in geschlossenen Räumen statt: Man sitzt tagelang im Casino, oft ohne Tageslicht und weit weg von Natur und frischer Luft. Irgendwann dachte ich: Ich brauche unbedingt einen Gegenpol.

Wie viele Pokerspieler habe ich es zunächst mit Golf versucht. Das war auch ganz nett… bis der Driver ins Spiel kam. Da zeigte sich relativ schnell, dass meine Golfkarriere überschaubar bleiben würde.

 Durch einen Zufall bin ich dann bei einem Ausritt in Brandenburg gelandet. Und da war sofort dieser Moment: Genau das ist es. Natur, frische Luft, Tiere, durch die Wälder galoppieren, Freiheit – und dazu eine ganz andere Art von Menschen als in der Pokerwelt. Das fand ich damals unglaublich angenehm. Ich bin dann relativ schnell bei den Lusitanos gelandet. Mit der Zeit wurden sie ein immer größerer Teil meines Lebens.

 Eigentlich ziemlich absurd, wenn man bedenkt, dass ich ursprünglich nur einen Ausgleich zum Pokern gesucht hatte.

 Damiano: Was haben die Pferde mit dir gemacht?

 Sandra: Sie haben mein Verhältnis zum Reisen komplett verändert. Während meiner aktiven Pokerzeit hatte ich ständig Fernweh. Ich konnte es kaum erwarten, den nächsten Flug zu buchen: neues Land, neues Casino, neues Turnier, neues Abenteuer.

 Als die Pferde dazukamen, wurde aus Fernweh plötzlich Heimweh. Irgendwann habe ich mich mehr darauf gefreut, wieder im Stall zu sein, als auf den nächsten Flughafen. Ich wollte weniger Zeit in Hotels verbringen und nicht mehr ständig unterwegs sein. Nach all den Jahren im internationalen Poker-Circuit fand ich es irgendwann auch viel angenehmer, mich mit Tieren zu umgeben als mit Menschen.

Damiano: Poker und Pferde sind zwei ziemlich unterschiedliche Welten. Gibt es Gemeinsamkeiten?

Sandra:  Mehr, als man zunächst denkt. Bei beidem braucht man Geduld, Disziplin und gutes Timing. Außerdem muss man akzeptieren, dass man nicht alles kontrollieren kann. Beim Poker kannst du nicht beeinflussen, welche Karten kommen oder wie sich das Board entwickelt. Bei einem Pferd kannst du genauso wenig bestimmen, wie es heute drauf ist. Du kannst nur entscheiden, wie du damit umgehst. Gerade diese Kontrolle über die eigene Reaktion finde ich spannend. Wenn du nervös, hektisch oder frustriert bist, wird es weder am Pokertisch noch auf dem Pferd besser.

Damiano: Was ist schwieriger zu lesen: ein Pokerspieler oder ein Pferd?

Sandra: Ein Pferd. Ganz klar. Ein Pokerspieler versucht aktiv, dich zu täuschen. Ein Pferd macht das nicht, und trotzdem weißt du manchmal überhaupt nicht, was gerade in seinem Kopf los ist. Ein Pferd kann dich außerdem schneller lesen als der beste Pokerspieler. Pferde sind als Fluchttiere sogenannte Muskelleser: Sie lesen jede kleinste Anspannung, keine Mikromimik entgeht ihnen. Wir können also viel von ihnen lernen.

Elf Jahre ohne Poker

Damiano: Du hast dich irgendwann komplett aus der Pokerwelt zurückgezogen. Wie weit weg war Poker für dich tatsächlich?

 Sandra: Sehr weit. Ich hatte ungefähr elf Jahre keine Karten in der Hand, nichts von Poker in meinem Social-Media-Feed und keine Poker-News verfolgt. Mit dem Thema Poker habe ich mich praktisch überhaupt nicht mehr beschäftigt. Um zu zeigen, wie weit ich mich entfernt hatte: Vor zwei Jahren wusste ich nicht, wer Fedor Holz ist. Poker war für mich einfach abgeschlossen. Ich hatte mein Leben in Portugal, und irgendwann war das meine neue Realität.

Damiano: Und dann kam eine Anfrage für „Werwölfe“ (ARD). Wie war das?

Sandra: Eigentlich surreal. Ich war gerade an einem Punkt, an dem ich nach vielen Jahren das Gefühl hatte, etwas Neues zu brauchen: einen Tapetenwechsel, etwas, das wieder einen neuen Impuls in mein Leben bringt. Das Universum hat, glaube ich, zugehört. Denn in dem Moment kam die Anfrage, ob ich bei einer Reality-Strategie-Show mitmachen möchte. Sie suchten eine Pokerspielerin für das Format. Ich dachte nur: Poker? Echt jetzt? Universum? Sicher?

Nach elf Jahren ohne Poker kam dieses Thema plötzlich wieder bei mir an. Ich glaube nicht unbedingt daran, dass alles im Leben geplant ist. Aber manchmal ist das Timing einfach auffällig perfekt. Also habe ich zugesagt und mir gedacht: Mal sehen, wohin mich das führt.

Damiano: Nach den Dreharbeiten bist du direkt nach Las Vegas geflogen. Du wolltest es wohl noch einmal wissen?

Sandra: Sin City hat gerufen. Ich bin dann für einen Monat zur WSOP geflogen und habe auch das Main Event gespielt. Ich bin leider an Tag 3 ausgeschieden. Trotzdem hatte ich plötzlich wieder diesen Hunger. Ich habe gemerkt, wie sehr ich Poker vermisse. Das war für mich selbst fast die größte Überraschung, denn nach elf Jahren hatte ich wirklich geglaubt, dieses Kapitel sei abgeschlossen. Danach habe ich wieder kleinere Turniere in Europa gespielt und festgestellt: Poker hatte sich verändert.

Eine neue Herausforderung am Pokertisch

Damiano: Poker: Was hat sich für die Schlange verändert?

Sandra: Die Turniere sind nicht mehr so, wie ich sie damals verlassen habe. Unlimited Re-Entries, maximale Late-Regs, andere Strukturen – die klassischen Freezeouts, mit denen ich groß geworden bin, gibt es kaum noch. Trotzdem wollte ich wieder aufholen. Nach elf Jahren wollte ich zunächst möglichst viele Hände spielen, um wieder reinzukommen. Deshalb habe ich mich ans Cash Game gesetzt.

Überraschenderweise finde ich Cash Game inzwischen sogar spannender als Turniere. Wahrscheinlich auch, weil man mehr Interaktion und mehr Entertainment am Tisch hat, als wenn sich alle verhüllt anschweigen. Vielleicht bin ich dafür mittlerweile zu alt. Also dachte ich: Warum nicht Cash Game zu meiner neuen Challenge machen? Von den kleinsten Limits nach oben grinden.

Damiano: Was hat sich durch die elf Jahre Pause an deinem Verhältnis zum Poker verändert?

 Sandra:  Vielleicht kann ich Poker gerade deshalb wieder genießen. Ich habe nicht mehr den Druck, irgendjemandem etwas beweisen zu müssen. Ich spiele, weil es mir Spaß macht und weil ich das Spiel nach wie vor faszinierend finde. Gleichzeitig merke ich, dass der Ehrgeiz sofort wieder da ist. Das hat sich offenbar nicht verändert.

Damiano: Du hast also wieder Lust auf Poker bekommen. Wie soll es weitergehen?

Sandra: Ich möchte definitiv wieder mehr spielen. Im Moment studiere ich noch viel und arbeite daran, mein Cash Game weiterzuentwickeln. Perspektivisch würde ich gerne mehr Games im Ausland spielen – zunächst ein paar Monate Low Stakes in Asien und in den USA grinden, mal schauen, wie es dort läuft und wo die Bankroll in einem Jahr steht. Im Moment habe ich jedenfalls wieder richtig viel Spaß am Tisch. Und ich bin ehrlich gesagt froh, dass Poker wieder in meinem Leben ist.

Damiano: Wenn du heute zurückblickst: Wieviel von all dem war vor zehn Jahren so geplant? Hattest du die leiseste Ahnung von dem was dich erwartet?

Sandra:  Überhaupt nicht. Vor zehn Jahren hätte ich wahrscheinlich gedacht, dass Poker für immer abgeschlossen ist. Ich hätte auch nicht erwartet, einmal in Portugal auf dem Land mit Pferden zu leben – und schon gar nicht, dass mich eine Reality-Show in der ARD zurück an die Pokertische bringen würde. Das hatte ich alles nicht auf meinem Bingozettel. Es zeigt nur, dass man nichts vorausplanen sollte, denn oft kommt es ganz anders.

Vielleicht ist das die eigentliche Verbindung zwischen der Black Mamba und dem Lusitano: Beide bewegen sich in einer Welt, in der man nicht alles kontrollieren kann. Man kann lernen, Situationen zu lesen, Geduld zu haben und auf das zu reagieren, was tatsächlich passiert.

Mehr Interviews, Kolumnen, und Reiseberichte, gibt es immer in unserer LIFESTYLE-Rubrik bei https://pokerexklusiv.com/lifestyle .


Nächster Halt: Liechtenstein

Am 18. Oktober ist Sandra Naujoks beim WPF Ladies Weekend im Grand Casino Liechtenstein zu Gast. Die Initiative der World Poker Federation bringt Frauen an verschiedenen Standorten weltweit zu Ladies-only-Pokerturnieren zusammen. Sandra hostet das Event in Liechtenstein und freut sich darauf, Spielerinnen aus der Community zusammenzubringen und gemeinsam eine gute Zeit am Pokertisch zu verbringen. Geplant sind ein Brunch um 12 Uhr und der Turnierstart um 13 Uhr. Laut offizieller Veranstaltungsseite beträgt das Buy-in CHF 200, bei einer garantierten Summe von CHF 5.000.

GCLI: Sandra Naujoks lädt zum WPF Ladies Special

 


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Ein stilisiertes Logo mit dem Schriftzug "The Rounder" in einer modernen Schreibweise, das auf einem dunklen Hintergrund präsentiert wird.

 

 

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