Etwas hat mir in den letzten Jahren auf meinen Pokertrips immer mehr missfallen: die allgemeine Besessenheit von 5-Card Omaha, besonders in Osteuropa und auch online.
Ich verstehe schon: Casinos lieben es, weil die Rake-Obergrenze in explosiven Multi-Way-Pots fast bei jeder Hand erreicht wird. Auch die Spieler lieben es (für etwa 45 Minuten), bis sie 500 Big Blind weniger auf ihrem Konto haben und immer noch auf einen Wal warten. Wenn dieser endlich auftaucht, fangen alle an zu träumen, aber es ist meistens kein einfacher Fang.
Ich spiele PLO-Varianten seit meinen Anfängen als Pokerspieler. Es ist das Spiel, für das ich am meisten Hausaufgaben gemacht habe, und es ist auch das Spiel, mit dem ich am meisten Geld verdient habe, aber ehrlich gesagt fühlt sich PLO mit mehr als 4 Karten wie Chaos an. Nicht die lustige und kontrollierte Art von Chaos. Die Full-Ring-, Fünf-Spieler-zum-Turn-, Was-passiert-hier-eigentlich-Art.
Die Varianz bei PLO5 ist außer Kontrolle
Das Problem ist nicht das Spiel. Es ist das Umfeld.
Theoretisch ist PLO5 ein wunderschönes, komplexes Spiel.
In der Realität, bei Live-Full-Ring-Multiway-Pots, überschätzen die Spieler ständig ihre Hände, die Gewinnchancen liegen viel näher beieinander, als die Meisten zugeben oder wissen möchte, und praktisch jeder Pot wird automatisch riesig.
… und plötzlich sitze ich da bei einem knusprigen Turn und denke:
„Ich wäre wirklich dankbar für zwei oder drei Minuten gründlicher Analyse und eine Tafel mit Charts für diese Entscheidung.“
Stattdessen habe ich 10 Sekunden Zeit und einen Dealer, der mich anstarrt.
Meine Lösung: eine Nit werden
Was mache ich also? Ich werde zur Voll-Nit. Nicht, weil es optimal ist. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es das nicht ist. Der Grund, warum ich so passiv spiele, ist, dass es der einzige Weg ist, den ich gefunden habe, um diese Partien zu überstehen, ohne mental zusammenzubrechen. Dass ich mental weniger belastet bin, nur weil ich weniger in unglaublichen Runouts verliere, verschafft mir auf lange Sicht tatsächlich einen Vorteil, aber ich habe kürzlich eine bessere Strategie gefunden: sie einfach zu meiden.
Es gibt ein paar Probleme damit, eine Nit zu sein. Sicher, auf dem Papier möchte man an wilden Tischen eine Nit und in tighten Partien ein Bully sein, aber als Nit in PLO5 oder PLO6 ist man sehr anfällig für Ausnutzungen durch fähige Spieler. Außerdem ist es immer noch anstrengend, in PLO5 so tight und solide wie ein Betonblock zu sein. Man foldet sehr oft. Das klingt einfach, aber man muss trotzdem Multi-Way-Ranges, Redraws auf Redraws und Board-Runouts aus einer anderen Dimension im Auge behalten, und irgendwann habe ich mich gefragt:
„Warum arbeite ich so hart daran, Hände zu folden?“
Der Fluchtplan: Zurück zu Hold’em?
Ich bin noch nicht ganz so weit, aber da das PLO4-Angebot stark zurückgeht und PLO5 oder sogar PLO6 in den letzten Jahren überall auftaucht, habe ich wieder angefangen, gelegentlich NLH-Partien zu spielen, wenn ich kein passendes PLO4-Spiel finde, das meinen Vorstellungen entspricht.
Das ist meine derzeitige mentale Einstellung: Wenn ich kein PLO4 spielen kann, bei dem ich mich sehr wohlfühle, da es das Spiel ist, das ich am intensivsten studiert habe, kann ich genauso gut zu No-Limit Hold’em zurückkehren und meinen inneren Value-Nit-Traum richtig ausleben.
Zumindest dort sind die Entscheidungen klarer, die Varianz ist (relativ) vernünftig und das Folden fühlt sich tatsächlich wie eine Entscheidung an, nicht wie ein Überlebensmechanismus.
Außerdem, seien wir ehrlich: Eine Nit bei Hold’em zu sein, ist im Grunde ein Lebensstil.
Der soziale Druck
Hier ist eine weitere seltsame Dynamik, mit der ich mich nicht mehr auseinandersetzen möchte.
Ein Dealer’s-Choice-Tisch. Die Optionen sind: PLO4, PLO5, PLO6 und Courchevel
Man wählt PLO4. Stille, starre Blicke und plötzlich liegt eine gewisse Stimmung in der Luft. Nichts Aggressives, aber genug, um zu sagen:
„Oh… dieser Typ.“
Man ist jetzt: die Nit, der Langweiler, derjenige, der die Action abkühlt … Nach über 10 Jahren PLO, sagt mir meine Erfahrung, dass „dieser Typ“ zu den wenigen gehört, die in ein paar Jahren noch dabei sein werden.
Ich persönlich habe kein Problem mit dem Image der Nits. Es entspricht mittlerweile eh dem Hausstil.
Für Anfänger oder Spieler, die von Hold’em umsteigen möchten, ist es jedoch tatsächlich ein Problem.
Mein Appell an die PLO-Community lautet: Lasst die Leute PLO4 spielen. Es ist die Einstiegsdroge.
Realitätscheck für die Bankroll
Meine ehrliche Einschätzung, nachdem ich mir diese Partien in mehreren Räumen auf verschiedenen Kontinenten angesehen habe, lautet: PLO5 oder PLO6 stellen die Bankrolls nicht nur auf die Probe, sie vernichten sie mittelfristig. Nicht einmal langfristig. Mittelfristig reicht schon. Ich habe Pokerräume gesehen, die jahrelang PLO4-Partien angeboten haben und bei denen es weniger als ein Jahr nach der Umstellung auf mehr Karten an Action mangelte, was dazu führte, dass alle Stammspieler ihre Bankrolls aufbrauchten und die Partien ausblieben.
Wie gut können die meisten Spieler mit Downswings von 20 Buy-ins umgehen? Wenn tausende Big Blinds schnell verschwinden, fühlt es sich nach viel an, aber in Wirklichkeit ist es das bei PLO5 und 6 nicht. Das eigentliche Problem ist nicht die Mathematik: Es ist die Reaktion darauf. Der Grund dafür ist, dass viele Spieler, sobald sie im Brand sind, in Tilt geraten, chasen und anfangen, wie absolute Degens zu spielen, ohne es unbedingt zu merken. Das sind die Partien, die plötzlich so wild werden, dass die Swings schnell unerträglich werden können.
PLO4 vs. PLO5: ein gewaltiger Unterschied
PLO4 strapaziert die Nerven und kann der Bankroll schaden. PLO5 kann einen psychisch regelrecht brechen und pulverisiert Bankrolls wenn die Varianz zuschlägt. Die Entscheidungsbäume sind sehr verzweigt (besonders bei Multiway-Situationen auf kniffligen Boards), die Equities liegen sehr nah beieinander und Fehler kosten viel mehr. In Live-Umgebungen, wo das Volumen gering ist, ziehen sich diese Swings einfach sehr lange hin.
Ich habe viele solide Gegner gesehen, die innerhalb weniger Monate zusammengebrochen sind und behaupteten, sie könnten den Downswing nicht ertragen, ohne zu erkennen, dass sie gar keine Pechsträhne durchmachten – es war einfach die natürliche Brutalität des Spiels.
PLO5 überleben
Ich sage nicht, dass man PLO5 nicht spielen soll. Ich sage: Man muss wissen, worauf man sich einlässt, und studieren. Danach muss man weiterlernen, und wenn man glaubt, bereit zu sein, muss man noch lange weiterstudieren. Die Zugänglichkeit von NLH hat es Neulingen ermöglicht und akzeptabel gemacht, sich ohne jegliche Vorbereitung an einen Tisch zu setzen und dennoch einigermaßen gut abzuschneiden, was die Entwicklung im Spiel und auch den Spaßfaktor angeht.
Bei PLO5+ sehe ich nicht, wie jemand eine Chance haben kann, ohne das Spiel ernsthaft zu studieren und die Varianz zu erkennen und zu respektieren. Das macht es viel schwieriger, das Spiel zu dominieren, und es macht den meisten Freizeit-Pokerspielern viel weniger Spaß.
Vielleicht… nur vielleicht… sollte man sich nicht schämen, ab und zu PLO4 zu wählen, auch wenn man dadurch „dieser Typ“ am Tisch wird, denn „dieser Typ“ ist oft derjenige, der noch da sitzt, wenn alle anderen ihre Bankroll bereits aufgebraucht haben.
