Martingale, Fibonacci, 1-3-2-6 oder D’Alembert. Es gibt zahlreiche Systeme, die die Wetteinsätze vorgeben. Warum kein System einen sicheren Gewinn im Casino oder bei Sportwetten bringen kann, erklären wir hier.
Spielsysteme für Wetteinsätze sind vermutlich so alt wie das Glücksspiel selbst. Die ersten Aufzeichnungen über Wettstrategien stammen aus Zeiten von Faro Bank, einem Kartenspiel aus dem 17. Jahrhundert.
Bevor wir in die Materie abtauchen, hier der Artikel in Kurzform: Martingale funktioniert nicht, da es bei jeder Wette den Hausvorteil gibt. Es ist daher völlig egal, ob die Einsätze mit System oder ohne gewählt werden.
Die Idee von Martingale
Das Martingalespiel ist ein einfaches Roulette-System, das auch in Baccarat, Blackjack oder bei Sportwetten angewendet wird. Der Spieler setzt bei der ersten Wette eine Einheit. Im Falle eines Verlustes wird der Einsatz verdoppelt. Wenn gewonnen wird, startet der Spieler erneut bei 1.
1, 2, 4, 8, 16, 32, 64, 128, 256 usw. ist eine geometrische Folge. Die nächste Zahl ist immer um 1 größer als die Summe aller vorhergehenden Zahlen. Dies zeigt die geometrische Summenformel.
Genau aus diesem Grund glauben manche Spieler, dass so ein sicherer Gewinn garantiert wird. Denn immerhin kann man nicht zehnmal in Folge verlieren. Oder zumindest gewinnt man dann im elften Spiel. Oder mit der zwölften Wette?
Gambler’s Fallacy – Der Trugschluss der Spieler
Warum Martingale immer noch angewendet wird, hat zwei Gründe. Zum einen gibt es immer wieder Spieler, die damit Erfolg haben – allerdings nur kurzfristig. Und dies hat nichts mit dem System zu tun.
Es gibt einfach immer wieder Gewinner im Casino, und solche Geschichten werden weiter erzählt. Unter dem Strich verlieren Martingalespieler jedoch genauso viel wie reguläre Spieler.
Zum anderen verstehen viele Menschen nicht, was Zufall bedeutet. Unsere Gehirne sind darauf ausgelegt, Muster zu erkennen. Die Vorstellung, dass beim Roulette fünf-, zehn- oder zwölfmal in Folge Rot kommt, wird als zu unwahrscheinlich angesehen.
Jede Reihenfolge hat jedoch die gleiche Wahrscheinlichkeit. So sind:
- R, S, R, S, R, S, R, S, R, S
- S, S, S, S, S, S, S, S, S, S
- S, R, S, R, S, R, S, R, S, R
- R, R, R, R, R, R, R, R, R, R
genauso wahrscheinlich wie eine Serie ohne erkennbares Muster:
- R, S, S, R, S, S, R, R, S, R
- S, R, S, R, S, S, R, R, S, R
Ein weiteres Problem ist ein fehlendes Verständnis für Serien. Ein Trugschluss vieler Spieler ist, dass nach einer Reihe von „zehnmal Schwarz“ in Folge es wahrscheinlicher ist, dass nun Rot kommen muss.
Die Reihe „S, S, S, S, S, S, S, S, S, S, S“ ist aber genauso wahrscheinlich wie „S, S, S, S, S, S, S, S, S, S, R“.
Casinos kennen und profitieren von diesem Trugschluss. Genau aus diesem Grund werden an vielen Tischen die Ausgänge der letzten Spiele angezeigt. Es kommt übrigens nicht selten vor, dass es zu Serien kommt.
Wenn eine Münze fünfmal geworfen wird, liegt die Wahrscheinlichkeit für „fünfmal Kopf“ bei nur 3,13 %. Wird eine Münze jedoch 1.000-mal geworfen, dann gibt es in 99,99 % aller Fälle mindestens eine Serie mit „fünfmal Kopf“.
Eine Serie von mindestens „zehnmal Kopf“ kommt bei 1.000 Würfen immerhin mit einer Wahrscheinlichkeit von 38,55 % vor, und mindestens „zwölfmal Kopf“ tritt in 11,40 % aller Fälle ein. Wer also nur oft genug ins Casino geht, wird solche Serien zu sehen bekommen.
Warum Martingale nicht funktioniert
Das exponentielle Wachstum der geometrischen Reihe lässt die Wetteinsätze rasant steigen. Das Wettlimit kann sehr schnell erreicht werden, und das Martingalespiel ist dann nicht mehr möglich.
Auch ist die Bankroll des Spielers begrenzt. Im Erfolgsfall gibt es einen Gewinn von einer Einheit. Dies kann einige Spielsessions gutgehen, doch nur eine Pechsträhne, und es gibt einen Verlust von 63, 127 oder 255 Einheiten.
Warum jegliche Wettsysteme versagen, liegt schlicht und einfach daran, dass Casinos und Buchmacher mit einem Hausvorteil spielen. Jede Wette hat somit einen negativen Erwartungswert. Im Schnitt verliert der Spieler mehr, als er gewinnt.
Die Wettsysteme im Überblick
Wie bereits mehrfach erwähnt, wird kein Spielsystem zum langfristigen Erfolg führen. Es macht keinen Unterschied, ob ein Spieler immer eine Einheit auf Rot setzt, Rot oder Schwarz anhand des Sekundenzeigers seiner Uhr auswählt oder die Einsätze auf mathematischen Folgen stützt.
Ein Artikel über die Martingale-Strategie wäre jedoch nicht vollständig, wenn nicht ein paar weitere Systeme vorgestellt würden.
- -Martingale – Eine Verdoppelungsstrategie, bei der die Einsätze nach einem Verlust verdoppelt werden. Im Falle eines Gewinns wird erneut bei 1 gestartet.
- Fibonacci – Beruht auf der Fibonacci-Folge (0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, …). Durch Addition der beiden Vorgänger wird die neue Zahl gefunden. Wie im Martingalespiel wird bei 1 gestartet, und im Falle eines Verlustes wird die nächste Zahl als Wetteinsatz genommen.
- D’Alembert – Es wird bei 1 gestartet, bei jedem Verlust der Wetteinsatz um 1 erhöht. Nach einem Gewinn geht es wieder mit 1 los.
- 1-3-2-6-System – Die Einsätze durchlaufen kontinuierlich die Reihenfolge von 1, 3, 2, 6. Allerdings geht es nur zur nächsten Zahl, wenn gewonnen wird.
- Paroli – Ähnlich dem 1-3-2-6-System, wobei die Reihenfolge 1, 2, 3 ist.
