Fast jeder Sportwetten-Freund hat schon einmal den Begriff Value Bet gehört, wirklich verstanden haben ihn jedoch nur die wenigsten. Wett-Profis haben das Konzept dagegen verinnerlicht. Nur mit Value Bets kann langfristig ein Profit gemacht werden.
Egal ob im Casino, beim Buchmacher oder am Pokertisch, es gibt drei Arten von Wetten:
- Wette mit negativem Erwartungswert – hier hat das Haus* den Vorteil
- Wette mit neutralem Erwartungswert – hier hat keiner einen Vorteil
- Wette mit positivem Erwartungswert – hier hat der Spieler den Vorteil
*beim Pokern der Gegner
Der Erwartungswert wird durch zwei Faktoren beeinflusst: die Auszahlung (Quote) und die Gewinnwahrscheinlichkeit.
Was ist eine Value Bet?
Eine Value Bet ist eine Wette mit positivem Erwartungswert. Das bedeutet, dass die potenzielle Auszahlung hoch genug ist, um das Verlustrisiko des Wetteinsatzes auszugleichen. Oder vereinfacht gesprochen: Im Schnitt wird mehr gewonnen als verloren.
„Value“ leitet sich aus dem englischen Wort für Erwartungswert (Expected Value) ab, und „Bet“ ist nichts weiter als eine Wette. Über die Wette mit Value gibt es zahlreiche Artikel, leider sind die meisten Informationen nur oberflächlich. Wir nehmen uns ein wenig mehr Zeit.
Bevor wir jedoch in die Materie abtauchen, gilt es, Missverständnisse aus dem Weg zu räumen.
Was ist eine Value Bet nicht?
- Die Value Bet ist kein Geheimtipp
- Die Value Bet hat keinen „Mehrwert“
- Die Value Bet ist keine Gewinngarantie
Value Bets berechnen
Um wirklich alles zu verstehen, sollten unsere Artikel zum Erwartungswert und zum Berechnen von Wettquoten gelesen werden. Für eilige Leser sei es hier noch einmal kurz erklärt.
Die Quote wird seitens der Buchmacher anhand der Eintrittswahrscheinlichkeit festgelegt, allerdings mit Hausvorteil. Der Erwartungswert (EV) gibt an, was die durchschnittliche Auszahlung ist. Hier wird die „Quotenwahrscheinlichkeit“ mit der „echten Wahrscheinlichkeit“ verglichen.
Um auf die drei Wettarten zurückzukommen, hier ein einfaches Beispiel mit einem Münzwurf. Wir gehen davon aus, dass die Münze fair ist, also die Wahrscheinlichkeit für Kopf und Zahl gleich ist.
Das Spiel ist simpel. Es kann ein Betrag gewettet werden, der Croupier wirft die Münze und wenn Zahl kommt, gewinnt der Spieler. Falls die Münze Kopf zeigt, gewinnt das Haus.
- Wette mit negativem EV – Auszahlungsquote 1,92
- Wette mit neutralem EV – Auszahlungsquote 2,00
- Wette mit positivem EV – Auszahlungsquote 2,08
Das erste Szenario ist ein typisches Beispiel für ein Casinospiel oder eine Sportwette. Der Anbieter spielt mit Hausvorteil. Profis spielen solche Wetten nicht an, sondern platzieren Value Bets, wie im dritten Szenario aufgeführt.
Das dritte Szenario hat deshalb einen positiven Erwartungswert, weil im Schnitt die Hälfte aller Spiele gewonnen wird, die Auszahlung jedoch mehr als das Doppelte beträgt.
Der Erwartungswert setzt sich aus Quote und Gewinnwahrscheinlichkeit zusammen. In der Mathematik liegen Wahrscheinlichkeiten zwischen 0 und 1. Im Alltag werden Prozente verwendet. Beispielsweise entspricht eine Wahrscheinlichkeit von 0,5 genau 50 %.
Mit dem Kehrwert kann jede Wettquote in eine Wahrscheinlichkeit und jede Wahrscheinlichkeit in eine Quote umgewandelt werden. Für alle, die im Mathematikunterricht nicht immer aufgepasst haben:
Um den Kehrwert zu erhalten, teilt man die Zahl durch 1. Noch schneller geht es, wenn man auf dem Taschenrechner die Zahl eintippt und die Taste 1/x drückt.
Der Rechenweg hierzu sieht wie folgt aus: Der Kehrwert von 2,08 ist ungefähr 0,480769. Dies bedeutet, dass eine Gewinnwahrscheinlichkeit von über 48,077 % einen positiven Erwartungswert hat.
Die Münze landet mit 50 % Wahrscheinlichkeit auf Zahl – wir haben somit eine Value Bet gefunden.
Wieso gibt es Value Bets?
Casinos bieten fast ausschließlich Spiele mit negativem Erwartungswert an. Es gibt wenige Ausnahmen – wir gehen im Artikel über Mathematik bei Glücksspielen näher auf das Thema ein.
Eine bekannte Ausnahme ist Blackjack. Hier kann es Value Bets geben, wenn sich das Verhältnis zwischen niedrigen und hohen Karten zugunsten des Spielers ändert. Daher zählen professionelle Spieler die Karten.
Buchmacher bieten in der Regel ebenfalls nur Quoten an, die ihnen einen langfristigen Gewinn versprechen. Wie Trader die Quoten festlegen, beschreiben wir im Artikel zu Wettquoten genauer.
Allerdings ist dies nur die Opening Line. Das Wettverhalten auf dem Markt beeinflusst die Quote. Buchmacher passen die Quoten fortlaufend an, um sich gegen kurzweilige Verluste abzusichern.
Natürlich kann auch ein klarer Fehler vorliegen und ein Buchmacher bietet die offensichtlich „falsche Quote“ an. Viel häufiger sind jedoch Fehler, die durch mangelnde Ressourcen entstehen.
Für die großen Wettbewerbe haben Buchmacher – sofern sie die Quoten selbst festlegen – mehrere Trader, die jede relevante Information in das Wettmodell miteinbeziehen.
Für kleinere Wettbewerbe wird auf naive Modelle zurückgegriffen, um die Quote festzulegen. Hier kann ein findiger Wettfreund mit einem überlegenen Wettmodell genauere Vorhersagen treffen.
Eine weitere Möglichkeit zu einer Value Bet ist eine Veränderung der Ausgangslage. Wenn sich beispielsweise der Starspieler eines Teams verletzt, kann dies eine Value Bet bedeuten. Allerdings reagieren Buchmacher und der Wettmarkt sehr schnell, sodass dies eher die Ausnahme sein sollte.
Zusammenfassung
Value Bets entstehen durch:
- Quotenveränderungen durch den Wettmarkt
- Fehler seitens des Buchmachers
- Änderung der Ausgangslage
- Schlechte Prognosen
Wett-Profis arbeiten mit eigenen Modellen und behalten den Quotenmarkt im Auge. Grobe Fehler seitens der Buchmacher sind eher selten, ebenfalls unüblich ist es, von einem Informationsvorsprung zu profitieren.
Die Closing Line schlagen
Auch Wettprofis haben nie alle Informationen oder das perfekte Wettmodell. Daher ist es schwer zu wissen, ob die eigenen Kalkulationen wirklich eine Value Bet finden können.
Dies gilt insbesondere, da es aufgrund der Varianz kurz- und mittelfristig zu starken Schwankungen bei Gewinnen kommen kann. Vereinfacht gesprochen, sagen wenige Wetten nichts über das Können aus.
Als Richtlinie, um einschätzen zu können, ob eine Value Bet gespielt wurde, wird die Closing Line genommen. Dies ist die letzte Quote, bevor die Wette nicht mehr vom Buchmacher angenommen wird.
Wer also glaubt, sein Wettmodell kann Value Bets finden, der sollte imstande sein, regelmäßig die Closing Line zu schlagen.
