Der Auftakt hätte besser nicht laufen können: drei Tipps, drei Treffer, 3:0 gegen die Buchmacher. So darf eine neue Kolumne gerne starten. Ein Traum.
Gott sei Dank haben Buchmacher die angenehme Eigenschaft, eine Woche später wiederzukommen und einem Gelegenheit zu geben, das gewonnene Geld gleich wieder loszuwerden. Diesmal haben sie mir die Sache jedoch deutlich schwerer gemacht. Während meine drei Wetten zum Saisonstart recht schnell feststanden, musste ich am zweiten Spieltag länger suchen und grübeln. Der eine oder andere Kandidat flog wieder raus, ein anderer Tipp rückte nach. Am Ende stehen aber wieder drei Tipps – und bei der Abgabe ist das gute Gefühl zurück. Also, Brust raus, drei Units auf den Tisch und rein in Runde zwei. Und weil der Praktikant nach dem Desaster von letzter Woche erst einmal durchschnaufen muss, wartet diesmal ein neuer Gegner auf mich.
Meine Tipps zum 2. Spieltag
Bei meiner ersten Wette mache ich gleich etwas, wovor ich normalerweise jeden warne. Kaum habe ich nämlich Faustregel #1 aufgestellt, breche ich sie selbst. Das nenne ich konsequente redaktionelle Arbeit.
Meine erste Unit geht auf einen Auswärtssieg von Borussia Dortmund in Hoffenheim. Der BVB ist quasi mein Verein. Ich wohne eine gute halbe Stunde vom Signal Iduna Park entfernt, in der Familie und im Umfeld ist so ziemlich alles schwarz-gelb. Eigentlich also: Finger weg. Eigentlich.
Aber bei einer Quote von 2,25 werde ich schwach. Für diese Woche muss Faustregel #1 ohne mich auskommen.
TSG Hoffenheim – Bor. Dortmund: Tipp 2 @ 2,25

Meine zweite Einheit geht auf Eintracht Frankfurt im Heimspiel gegen den FC Augsburg. Eine Quote von 1,95 ist für mich Anreiz genug.
Eintracht Frankfurt – FC Augsburg: Tipp 1 @ 1,95
Bei meiner dritten Unit habe ich zwischen mehreren Spielen geschwankt. Letztlich habe ich mich für ein Spiel der 3. Liga entschieden. Und zwar für einen Heimsieg Waldhof Mannheims gegen den SC Verl. Die Mannheimer waren mit einem Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf sowie einem 3:3 in Rostock gestartet. Auch letzte Woche in Havelse führten sie bereits mit 2:0, gaben das Spiel allerdings noch her. Der SC Verl scheint mir quotentechnisch noch ein wenig überwertet aus der vergangenen Saison. Der Kader wurde kräftig umgebaut, auch der Trainer ist neu. Für mich ist Verl längst nicht mehr so stark wie in der Vorsaison. Drei Niederlagen zum Start liefern zumindest ein deutliches Indiz. Die Einheit geht für eine Wettquote von 2,30 auf Waldhof.
Waldhof Mannheim – SC Verl: Tipp 1 @ 2,30
Meine Alternative zum letzten Tipp wäre übrigens eine etwas riskantere Variante gewesen. Und zwar war ich kurz davor, die Unit auf einen Auswärtssieg des SV Elversberg in Mönchengladbach zu setzen. Beziehungsweise hatte ich die Partie schon im Aufgebot, habe sie dann kurz vor Abgabe noch einmal getauscht. Sollte ich irgendwo eine Quote von 4,30 oder höher auf Elversberg entdecken, dürfte mein Zeigefinger jedenfalls verdächtig stark zucken.
HaWe übernimmt – ihm ist die Bundesliga zu langweilig
Der Praktikant braucht nach seinem kapitalen Fehlstart erst einmal eine Woche zum Durchatmen. Verständlich. Aber seine drei Units bleiben natürlich nicht einfach auf der Ersatzbank sitzen. Also musste Verstärkung her. Und die kommt in Person von HaWe.
Hanns Werner ist gestandener Poker- und Sportwetten-Experte mit langjähriger Erfahrung. Und Anhänger von Alemannia Aachen. Leidensfähigkeit, Risikobereitschaft und eine gewisse Resistenz gegen sportliche Rückschläge dürfen wir also als erwiesen betrachten. Seine Kampfansage an mich ließ dann auch wenig Raum für diplomatische Missverständnisse: „Es wird mal Zeit, dass jemand Potti zeigt, wo der Frosch die Locken hat!“ Noch bemerkenswerter ist allerdings seine Reaktion auf den 0:3-Rückstand des Praktikanten. Während andere jetzt vielleicht drei grundsolide Bundesliga-Wetten auspacken würden, zieht HaWe eine ganz andere Konsequenz: „Die Bundesliga ist für Schönwettertipper. Bei dem Spielstand müssen Sofortmaßnahmen getroffen werden. Also auf in die Abgründe der zweiten und dritten Liga.“ Und genau dort hat der Rheinländer seine drei Units investiert.
Hansa Rostock – Wehen Wiesbaden: Tipp 1 @ 1,70
„Hansa ist gut aus den Puschen gekommen. Die Gäste nach dem Fehlstart verunsichert. Ich sehe keinen Grund, wieso Hansa das Heimspiel nicht gewinnen sollte.“
1. FC Kaiserslautern – Darmstadt 98: Tipp 1 @ 2,25
„Kaiserslautern im Gegensatz zu Darmstadt mit solidem Start. Dazu heimstark mit massiver Unterstützung von den Rängen. Eine Quote von 2,25 ist für mich hier Pflicht.“<
Holstein Kiel – 1. FC Nürnberg: Tipp 2 @ 2,80
„Die Nürnberger Quote erscheint mir viel zu hoch. Alle Schlüsselspieler gehalten, im Team scheint der Knoten geplatzt zu sein. Der FCN strotzt nur so vor Selbstvertrauen als Tabellenführer gegen Kieler Störche, die irgendwie noch auf der Suche nach sich selbst zu sein scheinen.“
Damit ist es angerichtet. Ich versuche, meinen Traumstart zu vergolden. Am Montag wird abgerechnet. Dann wissen wir, ob mein Lauf weitergeht oder HaWe tatsächlich der Mann ist, der mir zeigt, wo der Frosch die Locken hat. Eines steht allerdings jetzt schon fest: Sollte mein Gegner mit seinem Dreier durchkommen, werde ich mir diesen Spruch vermutlich noch bis Weihnachten anhören müssen. Geht Hanns Werner dagegen 0:3 baden, hätte der Praktikant zumindest eines bewiesen: Seine Vertretung war hervorragend eingearbeitet.
Hinweis: Alle Inhalte dieser Rubrik dienen ausschließlich der Unterhaltung und stellen keine Anlage- oder Wettempfehlung dar. Kein Anspruch auf Gewinn – die genannten Quoten sind Momentaufnahmen und können sich bis zum Anpfiff ändern. Glücksspiel ist erst ab 18 Jahren erlaubt und kann süchtig machen. Wer mitspielt, sollte nur mit Beträgen wetten, deren Verlust verkraftbar ist. Kostenlose und anonyme Hilfe gibt es beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) unter 0800 1 37 27 0



