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Pottis Pokerwelt

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Zuhause ist eh alles meins – uuupppss, unser!

Das Poker-Ehepaar Stefan und Anca Eggenberger im Pokerexklusiv Interview. Über den Preis des Pokerns, Skill vs. Glück, gemeinsame Bankrolls und die Frage, wer am Tisch wirklich unangenehmer ist.

Kennengelernt haben sie sich am Cashgame-Tisch, und Stefan hat Anca dabei ihr Geld abgenommen. Heute sind Stefan und Anca Eggenberger verheiratet und gehören zu den bekanntesten Gesichtern der Pokerszene in der DACH-LIE-Region. Stefan gewann im November 2025 in Baden die CAPT Million und kassierte dafür 200.500 Euro, war Protagonist der SRF-Doku „Mit Pokern Geld zu verdienen hat seinen Preis“ und betreibt mit KeolePoker eine Community samt deutschsprachigem Coaching. Anca lernte Poker mit neun Jahren von ihrem Vater und stand jahrelang als Dealerin am Tisch, bevor sie selbst auf die andere Seite wechselte. Mittlerweile zählt Anca Eggenberger zu den erfolgreichsten Spielerinnen Europas. Im April gewann sie in Prag bei der WSOP Europe ihr erstes Bracelet.

Im PokerExklusiv-Interview sprechen die beiden offen über verpasste Abende mit Freunden, das Zocken in jungen Jahren, über Männer, die Anca unterschätzen, und darüber, warum sie sich am Final Table nichts schenken würden.

Der Preis des Pokerns

Potti: Die SRF-Doku über dich hieß „Mit Pokern Geld zu verdienen, hat seinen Preis“. Welchen Preis hast du persönlich dafür bezahlt?

Stefan: Ganz ehrlich hat mir Poker oft sehr viel gegeben im Leben. Es war immer genau in der richtigen Form für mich da, um im passenden Moment einen Ausweg zu finden. Meine ganze Lebensgeschichte wäre allein schon einen Artikel wert. Mittlerweile kann ich vieles selbständig in die gewünschte Richtung lenken, anfangs war das reines Glück, dass es kam, wie es kam. Der Preis war anfangs vielleicht noch finanzieller Natur, aber auch das ist Teil der längeren Geschichte. Der Preis, den ich auch heute noch bezahle, hängt mit dem Rhythmus zusammen. Dinge, auf die man verzichtet, weil sie nicht ins Leben passen. Morgendliche Wanderungen oder Freunde treffen am Abend, das sind Dinge, die ich oft vermisse.

Stefan Eggenberger bei seinem Sieg bei der CAPT Million 2025
Stefan Eggenberger bei seinem Sieg bei der CAPT Million 2025

Potti: Hat der Sieg bei der CAPT Million und die €200.500 daran rückblickend etwas verändert?

Stefan: Nein, der Sieg hat diesbezüglich gar nichts verändert, weil es mir zu dem Zeitpunkt finanziell schon gut genug ging, um zu tun, was ich immer schon gemacht habe und noch immer tue.

Potti: Gab es einen Moment, in dem du ernsthaft gedacht hast: Das ist es nicht wert?

Stefan: Nein, dafür ging es mir wohl immer zu gut. Was ich oft hatte, ist, dass mir die Lust am Spiel vergangen ist, weil es einfach zu viel war. Deshalb habe ich mir verschiedene Sachen daneben aufgebaut. Nicht nur Keolepoker, auch zwei weitere Projekte abseits von Poker. Die Abwechslung ist mir wichtig und gibt mir enorm viel.

Vom Zocker zum Strategen

Potti: Du hast in der Doku selbst davon gesprochen, dass der eine oder andere Pokerprofi nach Pokerverlusten gern auch noch eine Runde ans Roulette geht, um das Geld zurückzugewinnen. Wie nah warst du selbst schon an dieser Versuchung?

Back-to-Back Ring Erfolg für Stefan Eggenberger beim WSOPC LiechtensteinStefan: Ich bin über den Gamble-Aspekt zum Pokern gekommen. Bis ich 22 Jahre alt war, war ich oft in Casinos und habe alles Mögliche gespielt. Als ich dann angefangen habe, mich mit Poker als Strategiespiel zu befassen – übrigens mit meinem heutigen Partner bei Keolepoker – haben mich die anderen Spiele gar nicht mehr gereizt. Heute langweilt es mich recht schnell, weil einfach die Herausforderung fehlt. Und weil ich mir zum Glück keine großen finanziellen Gedanken machen muss, fehlt bei mir auch der Gedanke komplett, Verluste unbedingt zurückholen zu müssen. Das Ergebnis des Tages ist nur eine unwichtige Zahl. Mir fällt es mittlerweile auch leicht, mit Minus aufzustehen, wenn es Zeit ist. Ich glaube, das ist auch ein großer Teil des Puzzles, das mich dahin gebracht hat, wo ich jetzt bin. Deswegen habe ich das wohl auch in der Doku erwähnt. Den ganzen negativen Teil mal erlebt zu haben, ist dabei genauso wichtig wie nicht auf das Tagesergebnis angewiesen zu sein.

Potti: Du bist heute Spieler, Coach und Unternehmer zugleich. Bist du eigentlich noch Pokerprofi – oder ist das nur noch ein Teil von Stefan Eggenberger?

Stefan: Als ich 2020 den Schritt vom Semiprofi zum Vollprofi gewagt habe, habe ich schnell gemerkt, dass nur Spielen nichts für mich ist. Ein Teil des richtigen Mindsets macht die Menge an Spielstunden aus, die man „verkraften“ kann. Das habe ich schnell für mich herausgefunden. Deshalb die vielen verschiedenen Projekte. Und deshalb wird 2020 auch das einzige Jahr bleiben, in dem ich voll und zu 100% Pokerprofi war.

Die Frau, die sich alles merkt

Potti: Anca, du hast mit etwa neun Jahren Poker von deinem Vater gelernt, den du selbst als (Glücks-)Spieler beschrieben hast. Was hast du von ihm über die guten, aber auch über die gefährlichen Seiten des Spiels gelernt?

Anca Eggenberger holte das allererste Ladies Bracelet der WSOP Europe
Anca Eggenberger holte das allererste Ladies Bracelet der WSOP Europe

Anca: Ja, er war ein Spieler (Poker, Jassen, Schach, Backgammon) und ein Zocker (Barbut, Roulette und Automaten). Natürlich komme ich nach ihm! Ich habe alles mal ausprobiert und festgestellt, dass man überall Geld verprassen kann. Aber mit dem Pokern kann man gut Geld verdienen und das verdanke ich Stefan. Er hat meine rebellische Phase ziemlich gestoppt. Dazu muss ich sagen, dass ich ein Talent bin und spielaffin bin. Ich lerne recht schnell, ich kann mir Sachen gut merken und ich habe keine Angst. Gefährlich ist, wenn man sich nicht im Griff hat, krass viel Alkohol konsumiert und dabei spielt. Das ist dann eine schlechte Kombination, bei der man viel verliert.

Potti: Du hast jahrelang als Dealerin Spieler beobachtet. Was weiß eine ehemalige Dealerin über Pokerspieler, was die Spieler über sich selbst lieber nicht hören würden?

Anca: Dadurch, dass ich mir fast alles merken kann und eine gute Beobachtungsgabe habe, weiß ich sehr viel über viele Spieler. Viele überspielen ihre Hände/Karten, viele geben sehr viele Tells, viele sind zu ungeduldig, viele lassen sich von ihrer Tiltheit kontrollieren. Viele bräuchten eigentlich auch einen Pokercoach. Aber die Leute brauchen wir natürlich auch. Wer sonst macht den Pot groß!?

Potti: Poker ist nach wie vor stark männlich geprägt. Hast du Männer am Tisch erlebt, die dich unterschätzt haben – und hast du das bewusst gegen sie eingesetzt?

Anca: Ja natürlich, jeden Tag und ich setze das bewusst gegen sie ein. Ich habe mich schon immer wehren können und das mache ich auch. Die, die mich kennen, wissen: Angst und Geld habe ich noch nie gehabt und vor allem konnte ich nie meinen Mund halten!

Potti: Stefan hat dir beim Kennenlernen am Cashgame-Tisch dein Geld abgenommen. Wer hat seither pokertechnisch mehr vom anderen genommen?

Anca: Er natürlich, aber zuhause ist eh alles meins…uuupppss, unser!

Ein Paar, eine Bankroll, kein Softplay

Potti: Wer von euch beiden ist der bessere Pokerspieler?

Anca: Er
Stefan: Ich

Potti: Was war der schlimmste Streit, den ihr wegen Poker oder Geld hattet?

Stefan: Betrunkene Casino-Eskapaden von Anca, die meist recht teuer wurden.

Potti: Sind eure Bankrolls komplett getrennt – oder ist ein Verlust von Stefan am Ende auch ein Verlust von Anca und umgekehrt?

Stefan: Am Ende ist alles zusammen, wir sind schließlich verheiratet. Also ist alles UNS. Es wird aber immer vorher geredet, wer was spielen sollte und was nicht.

Potti: Final Table, nur noch ihr beide, viel Geld auf dem Tisch: Spielt ihr kompromisslos gegeneinander – oder gibt es als Ehepaar zwangsläufig Grenzen?

Stefan: Ich habe Anca schon zweimal vom Finaltisch eines größeren Turniers genommen, das sollte die Frage beantworten. Wer zusammenspielt, respektiert das Spiel nicht. Wir beide im Heads-Up, das würden wir sicherlich ausspielen. Erstens ist es eine spannende und nicht alltägliche Erfahrung. Zweitens haben wir im Hintergrund auch unterschiedliche Staker, für die wir stets alles geben.

Skill oder Glück? Die unbequemen Fragen

Potti: „Poker ist ein Skill Game“. Ist das manchmal auch eine bequeme Selbstbeschreibung, weil „Glücksspieler“ deutlich weniger attraktiv klingt?

Stefan: Poker ist am Ende beides. Ich bin über das Glücksspiel zu Poker gekommen. Ohne diese Komponente hätte ich Poker nie entdeckt. Heute ist es das Skill-Game, das mich reizt – für mich ist es heute ein Spitzensport wie Fußball oder Tennis. Regelmäßige Hobbyspieler schätzen an Poker sicherlich genau, dass sie da eigene Entscheidungen treffen und ihr Schicksal mitbestimmen können, suchen aber – bewusst oder unterbewusst – genau auch das Gamblen. Nur deswegen funktioniert Poker ohne Stärkenklassen. Als Profisportler, als den ich mich sehe, ist das auf der einen Seite sehr schade, dass man sich nicht in einem Ranking hocharbeiten kann. Auf der anderen Seite macht es das aber leichter, mit Poker Geld zu verdienen, da die Spitze nicht so klein und exklusiv ist.
Warum ich am Ende für Poker als ein Skill-Game einstehe, hat mit der Sicht von Außenstehenden auf die Szene und den damit verbundenen politischen und rechtlichen Schwierigkeiten zu tun.

Anca: Manchmal denkt man echt, dass das ein Glücksspiel ist, wenn man alles richtig macht und trotzdem rausfliegt mit den besseren Karten. Aber so bleibt das Spiel interessant.

Anca Eggenberger auf dem "Eisernen Thron" im Casino SeefeldPotti: Gewinnerfotos, Trophäen und sechsstellige Preisgelder sieht man überall. Buy-ins, Reisekosten und jahrelange Losing-Phasen hingegen kaum. Verkauft die Pokerbranche manchmal eine schönere Geschichte, als die Realität hergibt?

Stefan: Innerhalb der Szene zu 100 Prozent. Dadurch fehlt leider auch ein offizieller Gradmesser, wie es ihn in anderen Sportarten gibt.

Anca: Ich denke schon, aber das wollen doch alle hören, bis die Realität dich wieder eingeholt hat.

Potti: Würdet ihr einem jungen Menschen, den ihr liebt, empfehlen, Pokerprofi zu werden?

Stefan: Poker lässt dich viel fürs Leben lernen. Man kann sein Schicksal nicht bestimmen, aber man kann viel an sich arbeiten und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es einem in Zukunft besser geht. Auch wenn das kurzfristig mehr Arbeit und weniger Ertrag bedeutet. Man sucht nicht den kurzfristig einfachsten Weg, sondern versucht, sich langfristig weiterzuentwickeln. Wenn ich denke, dass ein junger Mensch die Kraft und die Mentalität hat, dies zu verinnerlichen und umzusetzen, dann würde ich es ihm empfehlen, da sich beide Seiten, Poker und das Leben, gegenseitig weiterbringen. Ansonsten eher nicht, weil man sich im Leben wie im Poker immer wieder selber im Weg stehen wird.

Anca: Ja, würde ich. Aber zuerst soll derjenige eine Weile lang normal arbeiten, um sich eine gute Bankroll aufzubauen. Danach soll er oder sie sich Coaching nehmen und dann kann es losgehen.

KeolePoker: Community, Coaching – und eine kritische Stimme

Potti: Pokerbücher, YouTube, Solver, Trainingsseiten, Coaches – davon gibt es unzählige. Warum braucht die Pokerwelt ausgerechnet Keolepoker? Was zeichnet euch aus?

Stefan: Als Community heben wir uns durch die DACH-Liechtenstein Region und somit mit persönlichen Bindungen zu uns und den Casinos in der Umgebung ab. Was das Coaching angeht, haben wir uns auf zwei Schwerpunkte konzentriert, bei denen wir ein Unterangebot festgestellt haben. Zum einen sind sämtliche Coachings auf Deutsch, zum anderen bauen sie ein Fundament. Viele Spieler würden zwar gern mehr Theorie machen, sind aber mit englischen Videos, die über SPR, Frequency oder merged approach reden, komplett überfordert. Das Kernstück meines Coachings ist ein aus 52 Lektionen bestehender deutscher Grundkurs, welcher diese anfänglichen Hürden meistert und Theorie-Neulinge an die anderen Anbieter heranführt.
Potti: Anca, wenn du ab morgen bei KeolePoker allein entscheiden dürftest: Was würdest du verändern?

Anca: Fast alles! Ich war mal selbständig und deswegen weiß ich, wie man ein Unternehmen führt. Man braucht tatsächlich zuverlässige Partner, die die Arbeit sehen und den Kopf einschalten. Das fehlt mir ein wenig bei Keolepoker. Vor allem sollten sie mal die Gaspedale finden. Aber ich bin nicht im engeren Team oder im Vorstand. Ich bin nur ein gewöhnliches Mitglied, somit kann ich nichts ändern.

Potti: Und Stefan, wie viel Einfluss hat Anca eigentlich bei KeolePoker?

Stefan: Entgegen der Meinung vieler ist Anca nicht bei Keolepoker engagiert. Sie ist eines von 200 Mitgliedern, aber gehört weder zum vierköpfigen Vorstand noch zum erweiterten zwölfköpfigen Team.

Wenn Geld keine Rolle spielte

Potti:
Angenommen, ihr hättet ab morgen finanziell ausgesorgt und müsstet nie wieder einen Franken mit Poker verdienen: Würde Poker in eurem Leben trotzdem genauso viel Raum einnehmen wie heute?

Anca: Vielleicht sogar noch mehr, mit höheren Buy-Ins und Turnieren überall auf der Welt.

Stefan: Insgesamt sicher etwas weniger und definitiv auch anders. Es würde mehr um Ruhm als um Geld gehen, dementsprechend wäre die Spielauswahl.

Schnellrunde: Stefan oder Anca?

Wer blufft besser?
Anca: Ich
Stefan: Sie

Wer tiltet schneller?
Anca: Ich
Stefan: Sie

Wer ist am Pokertisch unangenehmer?
Anca: Ich
Stefan: Sie

Wer ist sturer?
Anca: Ich
Stefan: Ich

Wer redet länger über einen Bad Beat?
Anca: Ich
Stefan: Sie

Und zum Schluss: Wer von euch würde es schlechter verkraften, wenn der andere irgendwann deutlich erfolgreicher im Poker wäre?

Anca:
Also ich würde es schöner finden, wenn er alle Turniere gewinnt. Ich würde mich sehr freuen und vor allem würde ich mich mit dem Geld noch mehr freuen, Shopping!!
Stefan: Wenn überhaupt jemand Probleme damit hätte, dann noch eher ich, weil ich viel mehr ins Spiel investiere und mir die Erklärung fehlen würde. Es würde mich aber dennoch genauso freuen.

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