Mit England, Belgien und den USA stehen die nächsten Achtelfinalisten fest. Während Harry Kane einmal mehr den Unterschied machte und Belgien ein fast verlorenes Spiel noch spektakulär drehte, überzeugten die Amerikaner mit einer souveränen Vorstellung. Der Playoff-Kompass wird damit immer konkreter – und heute sind die letzten beiden Vertreter des (D)ACH-Trios gefordert.
Pottis Playoff-Kompass
Der Achtelfinal-Baum füllt sich weiter – und die nächsten echten Kracher stehen bereits fest. Gastgeber Mexiko trifft auf England. Die euphorischen Heimfans gegen die abgezockten Three Lions um Harry Kane – viel mehr WM-Atmosphäre geht kaum. Auch USA gegen Belgien verspricht einiges: Tempo, Physis und jede Menge individuelle Klasse auf beiden Seiten. Das dürfte eines der ausgeglichensten Duelle der Runde werden.
Heute sind dann die letzten Vertreter des (D)ACH-Trios an der Reihe. Österreich bekommt es mit Spanien zu tun, die Schweiz trifft auf Algerien. Zwei schwere Aufgaben – aber genau für solche Spiele spielt man schließlich eine Weltmeisterschaft. Hoffen wir, dass mein kleines ACH-Projekt auch morgen noch weiterlebt.
Sechzehntelfinale: England vs. DR Kongo 2:1
Eigentlich hätte ich meine Vorschau fast als Blaupause für dieses Spiel verwenden können. Ich hatte sogar zunächst notiert, dass Harry Kane doppelt trifft – den Satz dann aber wieder gestrichen, weil ich nicht jedes Mal dasselbe schreiben wollte. Hätte ich ihn mal besser stehen lassen.
Die DR Kongo schockte England früh mit dem 1:0 und verteidigte anschließend leidenschaftlich. Vor allem Torhüter Lionel Mpasi erwischte das Spiel seines Lebens und brachte die englischen Angreifer mit einer Parade nach der anderen schier zur Verzweiflung. Doch dann kam die Zeit von Harry Kane. Erst köpfte der Bayern-Stürmer den Ausgleich, kurz vor Schluss hämmerte er den Ball traumhaft zum Sieg in den Winkel.
Ganz ehrlich: Wer auch immer beim FC Bayern auf die Idee gekommen ist, Harry Kane nach München zu holen, sollte auf ewige Zeiten tiefe Dankbarkeit verspüren. Der Mann ist einfach Weltklasse. Und das Spiel? Tempo, Chancen, Drama. Genau so muss K.O.-Fußball aussehen. Für mich bislang eines der unterhaltsamsten Spiele dieser WM.
Sechzehntelfinale: Belgien vs. Senegal 3:2 n.V.
Was für ein Spiel! Eigentlich war Belgien schon klinisch tot. Bis zur 85. Minute lag der Mitfavorit völlig verdient mit 0:2 zurück – und mein Riecher schien erneut goldrichtig zu sein. Noch schlimmer: Die Belgier gerieten auf dem Platz heftig aneinander und schienen sich zeitweise sogar gegenseitig an die Wäsche gehen zu wollen. Normalerweise ein sicheres Zeichen dafür, dass eine Mannschaft auseinanderbricht. Vielleicht war genau dieses Wortgefecht aber der entscheidende Weckruf.
Denn plötzlich drehte Belgien auf. Romelu Lukaku verkürzte in der 86. Minute, nur drei Minuten später erzielte Youri Tielemans tatsächlich den Ausgleich. Senegal, das durch die Treffer von Habib Diarra und Ismaïla Sarr lange alles im Griff hatte, gingen in der Verlängerung schließlich die Körner aus. Belgien übernahm nun die Kontrolle, und nach einer VAR-Überprüfung verwandelte Tielemans den fälligen Elfmeter zum 3:2. Eine spektakuläre Wende, die einmal mehr zeigt: Im Fußball solltest du niemals zu früh den Stecker ziehen. Selbst klinisch tote Mannschaften stehen manchmal wieder auf.
Sechzehntelfinale: USA vs. Bosnien-Herzegowina 2:0
Die USA stehen völlig verdient im Achtelfinale. Vor heimischer Kulisse in San Francisco kontrollierte die Mannschaft von Mauricio Pochettino die Partie über weite Strecken und ließ Bosnien-Herzegowina nur selten zur Entfaltung kommen. Folarin Balogun brachte die Gastgeber kurz vor der Pause in Führung, sorgte später allerdings auch für den Aufreger des Abends: Nach einem harten Einsteigen sah der Torschütze die Rote Karte und musste vorzeitig vom Platz.
In Überzahl drängte Bosnien zwar auf den Ausgleich, doch die Amerikaner verteidigten diszipliniert und ließen kaum klare Chancen zu. Stattdessen setzte Malik Tillman mit einem sehenswerten Freistoß zum 2:0 den Schlusspunkt unter eine reife Vorstellung der US-Boys.
Die Mannschaft von Trainer Sergej Barbarez konnte den Gastgeber nie ernsthaft ins Wanken bringen. Im Achtelfinale wartet nun mit Belgien ein echter Gradmesser. Nach dieser souveränen Vorstellung dürfen sich die Amerikaner jedoch berechtigte Hoffnungen auf den Einzug ins Viertelfinale machen.
Donnerstag, 02. Juli – die Paarungen von heute
Sechzehntelfinale: Spanien vs. Österreich – 21 Uhr
Ganz ehrlich: Meine Sympathien liegen heute sehr eindeutig verteilt bei Österreich. Ich würde mich riesig freuen, wenn die Mannschaft von Ralf Rangnick den Favoriten ärgern und für die große Überraschung sorgen könnte. Dafür muss allerdings alles passen: eine disziplinierte Defensivleistung, maximale Effizienz vor dem Tor und vermutlich auch das nötige Quäntchen Spielglück.
Spanien gehört definitiv zu den stärksten Mannschaften des Turniers. Die Iberer spielen ihren Fußball mit beeindruckender Ruhe, haben jede Menge individuelle Klasse und lassen den Ball laufen wie kaum ein anderes Team. Mein Wunsch-Tipp: 2:1 für Österreich.
Mein Bauchgefühl sagt allerdings: Spanien gewinnt mit 2:0 und zieht in die nächste Runde ein. Hoffen darf man trotzdem – K.O.-Spiele haben schließlich ihre eigenen Gesetze.
Sechzehntelfinale: Portugal vs. Kroatien – 01 Uhr.
Das könnte ein richtig zähes Stück Arbeit für Portugal werden. Kroatien gehört zu diesen Mannschaften, die man nie so richtig auf dem Zettel hat – bis man plötzlich gegen sie spielt. Die Kroaten sind taktisch hervorragend organisiert, zweikampfstark und bringen jede Menge Erfahrung mit. Genau die Mischung, die in einem richtig wehtun kann.
Trotzdem sehe ich Portugal leicht vorne. Die individuelle Qualität ist einfach enorm. Ein guter Moment eines ihrer Top-Stars kann genügen, um die Partie zu entscheiden.
Mein Tipp: Es wird kein fußballerisches Feuerwerk, sondern ein echter Abnutzungskampf. Am Ende setzt sich Portugal knapp mit 2:1 durch und löst das Ticket für die nächste Runde. Kroatien wird es den Portugiesen aber deutlich schwerer machen, als es viele erwarten.
Sechzehntelfinale: Schweiz vs. Algerien – 05.00 Uhr
Bei diesem Spiel ist die Sache klar: Meine Sympathien gehören der Schweiz. Die Eidgenossen haben bislang ein richtig starkes Turnier gespielt, sich den Gruppensieg verdient und dabei immer wieder bewiesen, dass mit dieser Mannschaft zu rechnen ist. Jetzt gilt es, den nächsten Schritt zu machen.
Algerien ist allerdings genau die Art von Gegner, an dem man sich gewaltig die Zähne ausbeißen kann – unbequem, leidenschaftlich und bis zur letzten Minute kämpferisch. Die Nordafrikaner haben bereits in der Gruppenphase gezeigt, dass sie sich von keinem Gegner einschüchtern lassen. Wer das 3:3 gegen Österreich in der sechsten Minute der Nachspielzeit noch im Gedächtnis hat, weiß: Diese Mannschaft gibt nie auf.
Trotzdem glaube ich, dass die Schweiz reif genug ist, solche Aufgaben zu lösen. Mein einziges Problem dabei: Der Anstoß ist um 5 Uhr morgens. Falls die Eidgenossen tatsächlich gewinnen, werde ich das Ergebnis vermutlich erst beim Frühstück erfahren – und dann hoffentlich mit einem Lächeln in den Tag starten. Mein Tipp: Die Nati gewinnt 3:1 und zieht verdient ins Achtelfinale ein. Weitermachen, Schweiz.


