Vor den beiden letzten Achtelfinals hat diese Weltmeisterschaft noch einmal einige emotionale Geschichten geschrieben. Die USA verabschieden sich nach einer überraschend schwachen Vorstellung aus dem Turnier – und damit ist nun auch der letzte Gastgeber der WM ausgeschieden. Ob die anhaltende Unruhe rund um das US-Team ihren Anteil daran hatte, lässt sich schwer beurteilen, doch völlig spurlos scheint die ganze Thematik an der Mannschaft nicht vorbeigegangen zu sein.
Am emotionalsten war jedoch der Abschied von Cristiano Ronaldo. Irgendwann kommt für jede noch so große Karriere der letzte WM-Auftritt – und auch wenn sich dieser Moment angekündigt hatte, fühlte er sich irgendwie unwirklich an. Mit CR7 verlässt eine der größten Legenden der Fußballgeschichte die WM-Bühne. Ein Abschied, der selbst bei vielen neutralen Fußballfans ein wenig Wehmut auslöst.
Pottis Playoff-Kompass
Der Turnierbaum wird von Tag zu Tag schmaler und die ersten Viertelfinalisten stehen bereits fest. Aktuell kämpfen nur noch 10 der ursprünglich 48 Mannschaften um den WM-Pokal. Nach den heutigen beiden Spielen ist das Viertelfinale komplett.
Der Praktikant hat frei für morgen beantragt. Begründung: Public Viewing. Sollte die Schweiz gewinnen, ist morgen mit ihm ohnehin nicht zu rechnen. Sollte sie verlieren, vermutlich auch nicht. Ob der nächste Artikel pünktlich oder überhaupt erscheint, hängt aktuell ein wenig in den Seilen.
Die gestrigen Spiele
Achtelfinale: Portugal vs. Spanien 0:1
Das war ein gutes Achtelfinale – aber eben kein ganz großes. Spannung war jede Menge drin, phasenweise ging es auch ordentlich hin und her. Ehrlich gesagt hatte ich mir von diesem Prestige-Duell zwischen den beiden Nachbarn aber noch etwas mehr Spektakel erhofft. Spanien hatte insgesamt mehr vom Spiel und die besseren Chancen, Portugal hielt mit großem Kampf dagegen. Vor allem Torhüter Diogo Costa brachte die spanischen Offensivspieler mit mehreren Glanzparaden immer wieder zur Verzweiflung.
Dann kam die 91. Minute. Der erst wenige Minuten zuvor eingewechselte Mikel Merino stand nach einer sehenswerten Kombination genau dort, wo ein Joker stehen muss, und schob zum umjubelten 1:0 für Spanien ein. Portugal warf anschließend noch einmal alles nach vorne, doch der Lucky Punch saß. Spanien zieht ins Viertelfinale ein – Portugal ist ausgeschieden.
Mein Fazit: Mein 2:1-Tipp für Spanien nach Verlängerung lag zumindest mit dem Sieger nicht ganz daneben. Vermutlich war es der letzte WM-Auftritt von Cristiano Ronaldo. Wobei… bei CR7 weiß man das nie so genau. Ich glaube erst an seinen Nationalmannschafts-Ruhestand, wenn er in zwei Jahren bei der EM tatsächlich nicht mehr für Portugal aufläuft. Spanien marschiert derweil mit beeindruckender Reife weiter durchs Turnier. Manchmal reicht eben ein einziger Joker in der Nachspielzeit.
Achtelfinale: USA vs. Belgien 1:4
Auweia! Ausgerechnet im bislang wichtigsten Spiel des Turniers erwischten die USA einen rabenschwarzen Abend. Dabei hatte ich dem Gastgeber nach den bisherigen Auftritten den Viertelfinaleinzug zugetraut. Von der erhofften Party war allerdings nichts zu sehen. Die USA fanden zu keinem Zeitpunkt zu ihrer gewohnten Form. Belgien wirkte von Beginn an reifer, zielstrebiger, nutzte die Fehler der Amerikaner eiskalt aus und gewann auch in dieser Höhe völlig verdient. Besonders Charles De Ketelaere glänzte mit zwei Treffern.
Die USA kamen nach einem sehenswerten Freistoß von Malik Tillman zwar noch einmal zum Ausgleich, doch ein folgenschwerer Patzer von Torhüter Matt Freese zum 1:3 entschied die Partie. Belgien machte in der Nachspielzeit mit dem vierten Treffer endgültig den Deckel drauf.
Mein Fazit: Mit meinem 2:1-Tipp für die USA lag ich diesmal komplett daneben. Belgien zeigte ausgerechnet im Achtelfinale seine bislang stärkste Turnierleistung und zog hochverdient ins Viertelfinale ein. Die USA scheiterten dagegen vor heimischem Publikum vor allem an den eigenen Fehlern. Wer gegen Belgien so viele Geschenke verteilt, verabschiedet sich früher als geplant.
Dienstag, 07. Juli – die Paarungen von heute
Achtelfinale: Argentinien vs. Ägypten – 18 Uhr
Auf dem Papier klingt das nach einer klaren Angelegenheit. Aber genau das dachte ich vor ein paar Tagen auch schon vor dem Spiel der Gauchos gegen Kap Verde – und da hing der Titelverteidiger plötzlich am seidenen Faden. Argentinien dürfte also gewarnt sein.
Ägypten reist mit jeder Menge Selbstvertrauen nach Atlanta. Der historische Einzug ins Achtelfinale hat der Mannschaft zusätzlichen Rückenwind gegeben. Defensiv stehen die Nordafrikaner sehr kompakt, kämpfen um jeden Zentimeter Rasen und haben mit Mo Salah natürlich einen Spieler, der eine Partie jederzeit mit einer einzigen Aktion entscheiden kann.
Trotzdem glaube ich, dass die Reise der Pharaonen heute endet. Argentinien hat gegen Kap Verde den Warnschuss genau zur richtigen Zeit bekommen und wird den Außenseiter diesmal garantiert nicht unterschätzen. Ich rechne deshalb mit einem konzentrierten Auftritt der Albiceleste.
Mein Tipp: Ägypten wird sich teuer verkaufen und Argentinien ordentlich beschäftigen. Am Ende setzen sich Messi & Co. jedoch mit 2:0 durch.
Achtelfinale: Schweiz vs. Kolumbien – 22 Uhr
Jetzt schlägt die Stunde der Nati! Nach drei fußballfreien Tagen greift die Schweiz endlich wieder ins WM-Geschehen ein – und mit ihr ruhen die letzten Hoffnungen unseres einstigen DACH-Projekts auf den Eidgenossen.
Mit Kolumbien wartet allerdings ein richtig unangenehmer Gegner. Die Südamerikaner sind technisch stark, spielen mit hohem Tempo und haben im bisherigen Turnier mehrfach bewiesen, dass sie ein Spiel innerhalb weniger Minuten an sich reißen können.
Die Schweiz bringt dafür genau die Tugenden mit, die in K.o.-Spielen oft den Unterschied ausmachen: eine stabile Defensive, taktische Disziplin und beeindruckende Nervenstärke. Das sieht nicht immer spektakulär aus – ist aber häufig erfolgreich. Genau darin könnte heute der Schlüssel zum Viertelfinale liegen.
Mein Tipp: Es wird eng, intensiv und bis zur letzten Minute dramatisch. Die Nati shippt das Ding mit 2:1. Unser DACH-Projekt lebt weiter – inzwischen zwar nur noch in der CH-Version, aber solange die Schweiz dabei ist, gibt es für uns noch etwas zu feiern.


