15 Jahre Black Friday – Der Tag der die Online Pokerwelt veränderte

Tatsächlich ist es schon 15 Jahre her, dass der Black Friday die Online Pokerwelt für immer veränderte. Während die einen die gute alte Zeit gar nicht mehr kennen, können sich andere noch erinnern, als wäre es gestern gewesen.

Schon 2006 gab es mit dem Unlawful Internet Gambling Enforcement Act (UIGEA) quasi den Startschuss zum Untergang von Online Poker in den USA. Partypoker, heute nur noch eine marginale Randerscheinung in der Online-Pokwelt, war damals riesig. Pokerstrategy wurde auf dem Rücken von Partypoker gegründet und groß. Alles wurde eigentlich groß mit Partypoker. Und genau deshalb musste der Online-Gigant als erster gehen. Von einem Tag auf den anderen verabschiedete sich Partypoker aus den USA und nahm Neteller, der damals bevorzugte Zahlungsdienstleister, gleich mit.

Eine meiner ersten Kolumnen (damals noch auf Pokerolymp) hieß „Bringt die Fische zurück“ (oder so ähnlich). Ohne die Amerikaner war Partypoker bei weitem nicht mehr interessant. Und es war die Zeit, in der PokerStars und Full Tilt so richtig groß wurden. Ultimate Bet und Absolut Poker konnten sich in Europa nicht so etablieren, da war es eher das später iPoker Netzwerk. Aber PokerStars und Full Tilt hatten einen kometenhaften Aufstieg. Dazu kam, dass der Pokerboom so richtig die ganze Welt ergriff und wirklich jeder pokern wollte. Im deutschsprachigen Raum pokerte Stefan Raab erstmals bei der PokerStars.de Nacht im TV, Full Tilt feierte die Million Euro Challenge und füllte mit den Weltstars wie Phil Ivey und Chris Ferguson Messehallen.

Und dann kam da der 15. April 2011. Ich war bei der CAPT Salzburg mitten in der Live Coverage, als Anton Allemann – damals noch Schweizer PokerStars Pro – zu mir kam und mich fragte, ob ich das von den Amis gehört hätte. Innerhalb kürzester Zeit versuchte quasi jeder Spieler in Salzburg, sich auf PokerStars oder Full Tilt einzuloggen, aber jeder hatte dasselbe Bild.


Die Situation in Europa beruhigte sich relativ schnell, aus den .com Adressen wurden .eu Adressen und die Europäer begaben sich mehr oder weniger in die Zuschauerrolle, was denn nun mit den Amis passieren würde. Die Turnierserien liefen wie immer, die Garantien waren deutlich niedriger, aber aus europäischer/deutschsprachiger Sicht, schien man mit einem blauen Auge davongekommen zu sein.

Bis zur Erkenntnis, dass bei Full Tilt Poker mit Phantomgeld gespielt wurde und die Spielergelder nicht vorhanden waren. Auch bei Ultimate Bet und Absolut Poker – wo auch noch der Super User Skandal dazu kam – blieb kein Stein auf dem anderen. Die Anbieter fielen in sich zusammen wie Kartenhäuser und die Spieler standen vor den Trümmern. Viele Spieler verloren nach dem Black Friday ihre Bankroll, nicht nur in den USA. PokerStars musste tief in die Tasche greifen und neben Unsummen von Strafzahlungen auch die Spieler auszahlen. Und übernahm das später auch für Full Tilt.  Mehr Details findet Ihr hier.

Aus Spielersicht verlor PokerStars aber damals soviel mehr, nämlich Isai Scheinberg. Der Gründer von PokerStars hatte eine andere Vision, als alle anderen in diesem Business. Und das hatte PokerStars zum bevorzugten Pokeranbieter einer Generation gemacht. Es gab kein Rakeback, keine Agents, keine Affiliates bei PokerStars. Es gab nur den Anbieter und die Spieler. Und Supernova Elite. Diesen Status zu erreichen, das war damals vergleichbar wie das WSOP Main Event zu gewinnen. Oder Olympia Gold. Quasi der Adelsstatus der Pokerspieler. Dass Isai Scheinberg PokerStars abgeben musste (Erst 2020 einigte er sich mit dem DOJ), brach dem weltgrößten Anbieter über kurz oder lang das Genick.

Trotz Black Friday blieb PokerStars an der Weltspitze, aber es wurde ein Business. Neben Poker kamen Wetten und die Casino Games und die Affiliates. Die Software war weiterhin top, aber die Seele fehlte und das machte sich in vielen Bereichen bemerkbar. Während man bei den Live Events mit der European Poker Tour (EPT) weiter Maßstäbe setzte, schwächelte man online zunehmend. Als GGPoker 2019 den Markt im Sturm eroberte, begann der Downswing von PokerStars.

Ob die Karten 2026 neu gemischt werden? Man wird sehen. GGPoker hat mit der WSOP auf jeden Fall in der Live-Welt aufgeholt, aber in den USA ist PokerStars einen Schritt voraus. Mit der Software auf FanDuel und der ersten Sunday Million seit dem Black Friday hat PokerStars den Grundstein gelegt, sich weiter in den USA auszubreiten. Weltweit gesehen bleibt GGPoker mit Abstand an der Spitze.

Gelernt haben die Spieler aus dem Black Friday allerdings nicht wirklich. Wenn es keine Netzsperren und kein IP Blocking gibt, ist „lizenzierter Anbieter“ ein sehr dehnbarer Begriff. Für viele Spieler ist es eher ein „Wenn ich mich anmelden und spielen kann, dann wird’s schon passen.“. Selbst die Spielerklagen und unzähligen Urteile, dass EU-Recht und Malta-Lizenzen nicht über die Staatsgrenzen hinaus gelten, werden von den Spielern gerne ignoriert. Dafür regulieren immer mehr Staaten das (Poker)Angebot, nicht unbedingt zum Vorteil der Spieler. Die große Online-Pokerwelt wie es sie vor dem Black Friday gab, wird es vermutlich nie wieder geben. Schade.

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