Frankreich hat das Halbfinale erreicht – und mein Bauchgefühl dabei einen herben Dämpfer kassiert. Außerdem gibt es Neuigkeiten von unserem Schweizer Praktikanten, der sich nach seiner legendären Baseler Feiernacht heute dem angekündigten Personalgespräch stellen musste. Und natürlich werfen wir den Blick nach vorne: Kann Belgien den nächsten Favoriten ärgern oder macht Spanien das Traum-Halbfinale gegen Frankreich perfekt? Antworten, Tipps und natürlich auch eine frische Ausgabe von Pottis WM-Stack gibt’s wie gewohnt in der heutigen Ausgabe.
Pottis Playoff-Kompass
Das anberaumte Personalgespräch hat inzwischen stattgefunden. Mit leichter Verspätung erschien unser Schweizer Praktikant im Video-Call – Sonnenbrille, Kapuze und eine Tasse Kaffee, die eher die Größe eines kleinen Blumentopfs hatte. Auf die Frage, ob er wieder vollständig einsatzfähig sei, antwortete er knapp: „Sicher. Zu 80 Prozent.“
Immerhin zeigte er sich einsichtig. Er entschuldigte sich für die nächtliche Gesangseinlage, betonte jedoch, dass „Hopp Schwiiz!“ seiner Meinung nach nicht unter Ruhestörung, sondern unter patriotische Öffentlichkeitsarbeit falle. Auch das angestimmte „We are the Champions“ sei keineswegs überheblich gewesen, sondern lediglich vorausschauende Turnierplanung. Ja nee. Ist klar 🫣
Nach einem kurzen, aber intensiven Austausch wurde von einer Kündigung vorerst abgesehen. Stattdessen erhielt der Kollege eine letzte Bewährungschance – verbunden mit der klaren Auflage, den nächsten Pottis Playoff-Kompass nüchtern, pünktlich und ohne Schweizer Kuhglocken zu erstellen. Er nahm die Bedingungen an und versprach hoch und heilig, künftig professioneller aufzutreten. Fünf Minuten nach Ende des Calls schickte er allerdings bereits den ersten Entwurf. Über der Schweizer Flagge stand in großen goldenen Buchstaben: „ROAD TO THE FINAL“. Die Bewährungszeit läuft.
Das gestrige Spiel:
Viertelfinale: Frankreich vs. Marokko 2:0
Tja, mein Bauchgefühl sollte sich vielleicht langsam mal einen Termin beim Teamarzt besorgen. Nach einigen Volltreffern in den letzten Tagen lag ich diesmal komplett daneben. Statt eines offenen Schlagabtauschs präsentierten sich die Atlas-Löwen überraschend mutlos und überließen Frankreich fast über die gesamte Spielzeit das Kommando.
Die Franzosen spielten abgeklärt, kontrollierten Ball und Gegner und ließen zu keinem Zeitpunkt ernsthafte Zweifel am Halbfinaleinzug aufkommen. Zwar verschoss Kylian Mbappé zunächst einen Elfmeter, machte seinen Fehler wenig später mit einem Traumtor aber wieder wett. Ousmane Dembélé legte nur wenige Minuten später den zweiten Treffer nach und sorgte frühzeitig für die Entscheidung. Marokko hingegen fand offensiv kaum statt und brachte Frankreichs Defensive praktisch nie ernsthaft in Bedrängnis. Unter dem Strich war der 2:0-Erfolg der Equipe Tricolore hochverdient – und hätte sogar noch höher ausfallen können.
So ehrlich muss ich sein: Von Marokko hatte ich deutlich mehr Mut erwartet. Wer bis ins Viertelfinale marschiert, sollte sich nicht 90 Minuten lang nahezu ausschließlich aufs Verteidigen konzentrieren. Mein Bauchgefühl bekommt für diesen Tipp jedenfalls die glatte Sechs. Ab jetzt muss wieder dringend der Verstand übernehmen.

Freitag, 10. Juli – Die heutige Paarung
Viertelfinale: Spanien vs. Belgien – 21 Uhr
Auf den ersten Blick scheint die Favoritenrolle klar verteilt zu sein. Spanien gehört bislang zu den konstantesten Mannschaften des Turniers und hat auf dem Weg ins Viertelfinale Österreich und Portugal ausgeschaltet – zwei Gegner, die sicherlich nicht zum einfachsten Programm zählten. Vor allem das Ballbesitzspiel der Iberer wirkt nahezu perfekt abgestimmt. Kaum eine Mannschaft kontrolliert Tempo und Rhythmus einer Partie derzeit so souverän wie die Spanier.
Belgien hingegen hat sich den Einzug unter die letzten Acht hart erarbeiten müssen. Gegen Senegal retteten sich die Roten Teufel erst mit einer spektakulären Aufholjagd in die Verlängerung, ehe sie schließlich noch gewannen. Im Achtelfinale gegen die USA zeigte Belgien dann jedoch sein bislang stärkstes Turnierspiel und ließ dem Gastgeber kaum eine Chance. Spätestens seit diesem Auftritt dürfte jedem klar sein: Mit Belgien ist im Kampf um den Titel jederzeit zu rechnen.
Genau das macht dieses Viertelfinale so reizvoll. Spanien wird versuchen, mit seiner Ballsicherheit und Spielkontrolle den Ton anzugeben. Belgien dürfte dagegen auf seine enorme Qualität im Umschaltspiel setzen. Die Roten Teufel sind körperlich robust und besitzen offensiv genügend individuelle Klasse, um eine Partie mit wenigen Aktionen zu entscheiden. Gelingt es ihnen, Spaniens Passmaschine früh zu stören und immer wieder gefährliche Konter zu fahren, könnte dieses Duell deutlich enger werden, als viele erwarten.
Trotzdem sehe ich leichte Vorteile bei Spanien. Die Mannschaft wirkt eingespielter, defensiv stabiler und strahlt im bisherigen Turnierverlauf mehr Kontrolle aus. Ich rechne mit einem intensiven Viertelfinale, in dem Belgien lange dagegenhält, sich die spielerische Klasse Spaniens am Ende aber knapp durchsetzt.
Mein Tipp: Spanien gewinnt mit 2:1 und macht das Traum-Halbfinale gegen Frankreich perfekt.

