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WSOP 2026: 9 Spieler. 30 Millionen Dollar. 3 schlaflose Nächte. Es geht um die Poker-Krone

Heute Nacht beginnt sie – die vielleicht spannendste Pokerwoche des Jahres.

Nach einem wahren Poker-Marathon sind beim WSOP Main Event in Las Vegas nur noch neun Spieler im Rennen. Anfang Juli waren 9.208 Teilnehmer ins Rennen gegangen, die jeweils 10.000 Dollar Buy-in investierten und damit einen gigantischen Preispool von 85.634.400 Dollar schufen. Jetzt geht es nur noch um eine Frage: Wer wird Poker-Weltmeister 2026 und kassiert den Siegerscheck über 10 Millionen Dollar?

Eines haben die „November Nine“ – auch wenn sie längst nicht mehr im November spielen – bereits gemeinsam: Eine Million Dollar hat jeder von ihnen sicher. Schlechter als Platz neun kann es schließlich nicht mehr werden.

Drei Nächte, ein Weltmeister
Los geht es heute Nacht um 3 Uhr deutscher Zeit. Eurosport überträgt den Final Table live. Der Ablauf ist denkbar einfach – zumindest auf dem Papier. Heute wird gespielt, bis nur noch sechs Spieler übrig sind. Das kann theoretisch schon nach 20 Minuten erledigt sein, wenn die Karten komplett eskalieren. Genauso gut kann es aber fünf oder sechs Stunden dauern, wenn sich alle gegenseitig belauern und niemand ausscheiden möchte. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wird von sechs auf drei Spieler heruntergespielt, ehe in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag – erneut ab 3 Uhr – der neue Weltmeister gekürt wird.

Unterschiedlicher könnten die Voraussetzungen kaum sein
Was ich am Main Event jedes Jahr liebe: Es treffen völlig unterschiedliche Lebenswelten aufeinander. Da sitzen gestandene Profis wie Mario Boos, Greg Mueller, Han Feng, Michael Gagliano oder Lucas Jumalon am Tisch. Spieler, die seit Jahren nichts anderes machen, als Poker auf höchstem Niveau zu spielen.

Auf der anderen Seite kämpfen Hobbyspieler um den größten Titel der Pokerwelt. Ein Sales Manager, ein Datenanalyst, ein Geschäftsinhaber oder ein Optiker. Lauri Saaskilahti, Rami Hammoud, Jamie Shaevel oder Evagoras Evagorou leben vermutlich gerade ihren ganz persönlichen Traum. Vielleicht brauchen einige von ihnen nach dieser Woche ihren bisherigen Beruf auch gar nicht mehr. Wer weiß…?

Auch geographisch ist der Finaltisch bunt gemischt. Sechs Nordamerikaner treffen auf drei Europäer: Mario Boos (Frankreich), Lauri Saaskilahti (Finnland) und Evagoras Evagorou (Zypern).

Vorbereitung? Von Vollgas bis „Ach, wird schon“
Der eine oder andere hat vermutlich in den vergangenen Tagen jede einzelne bislang übertragene Hand analysiert, mit Trainern gearbeitet und sich auf jede erdenklich aufkommende Situation vorbereitet.

Der andere hat vielleicht ausgeschlafen, ist gut essen gegangen und denkt sich: „Ich spiele einfach mein Spiel. Alles, was jetzt kommt, ist Bonus“. Beides kann funktionieren.


Wer zittert – und wer genießt einfach den Moment?
Auch bei der Nervosität wird es riesige Unterschiede geben. Bei einigen wird vermutlich schon beim ersten ausgeteilten Blatt die Hand leicht zittern. Verständlich. Schließlich geht es um Millionen. Andere werden völlig locker wirken und sich sagen: „Vor vier Wochen hätte ich niemals gedacht, überhaupt hier zu sitzen.“ Gerade die Amateurspieler könnten diesen Bonus-Effekt haben. Alles, was jetzt noch kommt, ist ein Geschenk.

Unterschiedliche Ziele
Und genau deshalb dürften auch die Zielsetzungen auseinandergehen. Die etablierten Profis – vor allem die Chipleader – werden vermutlich ausschließlich an den Titel denken. Alles außerhalb der Top 3 könnte sich für sie fast schon wie eine Enttäuschung anfühlen. Ein Amateur dagegen wird vielleicht zunächst versuchen, möglichst wenig Risiko einzugehen. Jeder Platzgewinn bedeutet schließlich Hunderttausende Dollar mehr. Da kann Geduld manchmal die wertvollste Waffe sein.

Mein Favorit
Wenn ich einen Spieler nennen müsste, auf den ich mein Geld setzen würde, dann wäre das Lucas Jumalon (USA). Nicht unbedingt, weil er der beste Pokerspieler am Tisch ist.

Sondern weil er mit einem gigantischen Chipvorsprung startet. Er besitzt mehr als doppelt so viele Chips wie sein erster Verfolger Rami Hammoud. Das ist ein Luxus, den man am Finaltisch des Main Events nur äußerst selten sieht. Jumalon kann theoretisch sogar einen oder zwei Coinflips gegen einen der Shortstacks verlieren – und bleibt trotzdem klarer Chipleader.

Natürlich wissen wir alle: Poker ist kein Wunschkonzert. Mit den richtigen Karten, günstigen Boardverläufen und etwas Momentum kann jeder der neun Spieler am Ende das Bracelet in die Höhe stemmen.

Wunschweltmeister Greg Mueller
So sehr ich Lucas Jumalon als Favoriten sehe – mein Herz schlägt für Greg Mueller. Greg hat deutsche Wurzeln, spielte viele Jahre professionell in der DEL und wurde 1994 mit dem HEDOS München Deutscher Meister im Eishockey.

Vor allem aber durfte ich Greg mehrfach persönlich kennenlernen und interviewen. Er ist einer dieser Menschen, die immer gute Laune verbreiten, freundlich sind und sich selbst nie zu wichtig nehmen. Genau so jemanden würde ich unglaublich gerne als Poker-Weltmeister sehen.

Also: Kaffee bereitstellen!
Für Pokerfans beginnen jetzt drei Nächte, die es in sich haben. Neun Spieler. Rund 30 Millionen Dollar warten auf ihre neuen Besitzer – allein zehn Millionen für den neuen Weltmeister. Irgendwo zwischen heroischen Calls, brutalen Bad Beats und nervenaufreibenden All-ins wird in den kommenden Tagen ein neuer Name Poker-Geschichte schreiben. Ich freue mich drauf. Und ganz ehrlich: Schlaf wird völlig überbewertet.

Ab 3 Uhr live auf Eurosport. Kaffee nicht vergessen.

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