Sieben lange Turniertage liegen hinter den Spielern – und nur noch 21 von ursprünglich 9.208 Teilnehmern dürfen beim WSOP Main Event weiter vom ganz großen Coup und vom Weltmeistertitel träumen. Jeder von ihnen hat bereits 325.000 Dollar sicher. Auf den Sieger warten 10 Millionen Dollar, und selbst Platz neun wird bereits mit einem siebenstelligen Preisgeld belohnt.
Aus deutscher Sicht richtet sich der Blick dabei vor allem auf Hossein Ensan. Der Weltmeister von 2019 überstand auch Tag 7 souverän und zählt mit rund 29,7 Millionen Chips zu den aussichtsreichsten Kandidaten auf einen Platz am Final Table.
Für den gebürtigen Iraner, der seit mehreren Jahrzehnten in Deutschland lebt, fühlt sich dieser Turnierlauf fast wie eine Zeitreise an. Die Erinnerungen an seinen WM-Triumph werden immer präsenter – doch Hossein Ensan ist überzeugt, heute ein noch stärkerer Spieler zu sein als bei seinem Titelgewinn 2019.
„Ich bin heute ein wesentlich kompletterer Spieler als vor sieben Jahren und habe natürlich deutlich mehr Erfahrung. Mein Tisch heute fühlte sich fast schon wie ein Final Table an – mit so vielen starken Gegnern.“
Sollte Ensan das wichtigste Pokerturnier der Welt tatsächlich ein zweites Mal gewinnen, wäre das eine historische Sensation. Seit Johnny Chan, der 1987 und 1988 zweimal in Folge triumphierte, ist keinem Spieler mehr dieses Kunststück gelungen. Ensan ist damit nur noch wenige Schritte davon entfernt, Poker-Geschichte zu schreiben.
Für einen weiteren deutschsprachigen Hoffnungsträger endete der Traum dagegen bitter. Giuseppe „Ansgar2000“ Pantaleo, gebürtiger Bielefelder, schied auf Rang 25 aus, als sich sein Ass-Bube in einem Drei-Wege-All-in nicht gegen Damen und Ass-König behaupten konnte. Trotzdem darf er mit erhobenem Haupt abtreten – und mit einem Preisgeld ($325.000), das sich gewaschen hat.
Der Chipleader des Turniers heißt aktuell Malcolm Trayner. Der Australier startet mit deutlichem Vorsprung in Tag 8 und könnte nach seinem Triumph bei den Aussie Millions im Mai als erster Spieler überhaupt beide prestigeträchtigen Titel im selben Kalenderjahr gewinnen.
Ebenfalls noch im Rennen sind der amtierende WSOP Player of the Year Shaun Deeb, der das Main Event gewohnt emotionslos wie einen ganz normalen Arbeitstag angeht, sowie Todd Brunson. Der Sohn der Poker-Legende Doyle Brunson könnte exakt 50 Jahre nach dem zweiten Main-Event-Titel seines Vaters selbst Weltmeister werden – eine Geschichte, wie sie Hollywood kaum besser schreiben könnte.
Und noch ein Name dürfte vor allem Eishockey-Fans bekannt vorkommen: Greg Mueller kämpft ebenfalls weiter um den WM-Titel. Der Kanadier spielte von 1992 bis 1999 in der DEL unter anderem für HEDOS München und die Ratinger Löwen. Mit München gewann der 1,95 Meter große, kompromisslose Verteidiger 1994 sogar die deutsche Meisterschaft. Heute tauscht er harte Checks an der Bande gegen All-ins am Pokertisch – und träumt vom größten Titel seiner zweiten Karriere.
Und dann ist da noch Will Givens. Der US-Amerikaner entwickelt sich immer mehr zur schillerndsten Figur der letzten Turniertage. Wer eine Mischung aus Will Kassouf und Martin Kabrhel erleben möchte, bekommt bei Givens beste Unterhaltung geboten. Er redet ohne Pause, sorgt permanent für Stimmung und scheint das Turnier eher als großes Spektakel, denn als nervenaufreibenden Millionenkampf zu betrachten. Zwischenzeitlich verschwindet er einfach einmal für eine halbe Stunde vom Tisch, nur um anschließend wieder aufzutauchen, als wäre nichts gewesen. Mit Givens am Tisch ist eines jedenfalls garantiert: Langweilig wird es keine Sekunde.
Die größte Geschichte schreibt jedoch bislang Hossein Ensan. Nur noch ein erfolgreicher Turniertag trennt den Weltmeister von 2019 vom Final Table. Und vielleicht sogar von etwas, das weit größer wäre als ein weiterer WM-Titel: dem Einzug in den exklusivsten Kreis der Poker-Geschichte.








