Die World Series of Poker 2026 läuft seit dem 26. Mai und wird uns noch bis zum 15. Juli beschäftigen. Nach etwas mehr als einer Woche sind bereits 15 Bracelet-Events entschieden. Zeit also für einen ersten kleinen Blick nach Las Vegas.
Die wichtigste Nachricht vorweg: Die WSOP lebt. Und zwar ziemlich gesund. Wer befürchtet hatte, dass die Teilnehmerzahlen nach den Rekordjahren einknicken würden, kann nach Woche eins erst einmal aufatmen. Vergleicht man die bislang gespielten Turniere mit den entsprechenden Events aus 2025, liegt die diesjährige Ausgabe sogar minimal vor dem Vorjahr. Von Euphorie sollte man deshalb noch nicht sprechen, aber Panik ist ebenfalls völlig fehl am Platz.
Die WSOP 2026 wirkt bislang stabil bis leicht positiv. Das wahre Urteil fällt allerdings erst in den kommenden Wochen. Monster Stack, Colossus, Millionaire Maker, Seniors Event, Gladiators of Poker und natürlich das Main Event werden zeigen, ob die Rekordmarke aus 2025 tatsächlich in Gefahr gerät oder nicht.
Bis dahin beschäftigen wir uns mit den wirklich wichtigen Dingen. Zum Beispiel mit Phil Hellmuth. Der „Poker Brat“ erreichte bei Event #9, der 10.000-Dollar Limit Omaha Hi-Lo Championship, den Final Table und schielte bereits auf Bracelet Nummer 18. Am Ende war jedoch auf Platz 7 Endstation. Die Pokerwelt muss also weiterhin auf das nächste Kapitel der Bracelet-Jagd der Geschichte warten.
Deutlich entspannter dürfte die Stimmung im Hause Foxen sein. Das erfolgreichste Pokerehepaar der Welt legte einen mehr als ordentlichen Start hin. Alex Foxen belegte bei der 25.000-Dollar Heads-Up-Weltmeisterschaft Platz drei und kassierte rund 300.000 Dollar Preisgeld. Ehefrau Kristen Foxen wartet zwar in Las Vegas noch auf ihren ersten WSOP-Cash, dafür verlief ihr bisheriges Jahr 2026 bislang wie ein Traum. Über 3,6 Millionen Dollar Preisgeld hat die Kanadierin bereits in diesem Jahr eingespielt. Das ist mehr als die Top 10 der Damenrangliste zusammen. Insgesamt steht sie inzwischen bei über 17 Millionen Dollar Turniergewinnen. Nicht schlecht für jemanden, der angeblich nur Karten spielt.
Und die DACH-Community? Die hält sich bislang erstaunlich zurück. Allerdings sollte man daraus noch keine voreiligen Schlüsse ziehen. Viele der bekannten deutschsprachigen Profis waren bis vor wenigen Tagen noch bei der Triton Series in Montenegro unterwegs. Wer dort mehrere Wochen gegen die stärksten Spieler der Welt antritt, darf sich vermutlich ein paar Tage Urlaub gönnen, bevor der WSOP-Marathon beginnt.
Besonders beeindruckend ist bislang die Serie von Christian Harder. Der Amerikaner hat sechs Turniere gespielt und in allen sechs Turnieren das Preisgeld erreicht. Eine blitzsaubere Quote von 100 Prozent. Selbst deutsche Finanzämter arbeiten selten so zuverlässig.
Fast noch verrückter war allerdings die Leistung von Stephen Hubbard. Der Amerikaner wurde zunächst Fünfter im 5.000-Dollar PLO Event mit 716 Teilnehmern. Danach stieg er praktisch direkt ins nächste Turnier ein, das 1.500-Dollar No Limit 2-7 Lowball Draw Event, und gewann dieses gegen weitere 626 Spieler. Im Lauf drauf.
Auch Daniel Negreanu sorgte bereits in Woche eins für Schlagzeilen. Allerdings nicht am Pokertisch. Gemeinsam mit seiner Frau Amanda erwartet er Nachwuchs. In den sozialen Medien wird bereits eifrig über den Vornamen spekuliert. Ganz vorne liegt derzeit „Ace“. Bei Pokerprofis weiß man schließlich nie, wo Marketing endet und Familienplanung beginnt.
Für eine der kuriosesten Geschichten sorgte einmal mehr Alan Keating. Der Cashgame-Star meldete sich für die 25.000-Dollar Heads-Up-Weltmeisterschaft an, zahlte das Buy-in und erschien anschließend einfach nicht. Offenbar hatte er wenige Tage zuvor bei einem Livestream im The Lodge Card Club ausreichend Geld gewonnen, um auf weitere 25.000 Dollar Einsatz keine große Lust mehr zu verspüren. Sein Gegner zog kampflos in die nächste Runde ein. Wer hat der hat.
Prima Nachrichten gibt es dagegen für alle Fans guter Poker-Unterhaltung. Joe Stapleton ist neu im WSOP-Team. Der Comedian und Kommentator zählt seit Jahren zu den beliebtesten Stimmen der Szene und wird die langen Turniertage mit einer gesunden Mischung aus Fachwissen, Selbstironie und völliger Albernheit begleiten. Wer Stapleton live erleben möchte, findet auf dem offiziellen WSOP-YouTube-Kanal nahezu täglich kostenlose Livestreams aus Las Vegas.
Nicht fehlen darf natürlich die Geschichte von Shaun Deeb. Als sich der ehemalige WSOP Player of the Year an den Tisch setzte, verlangte der Dealer seinen Ausweis. Shaun hatte allerdings keinen dabei. Der Dealer rief den Floorman hinzu. Dieser schaute kurz auf das riesige Banner direkt über dem Tisch, auf dem Shaun Deeb abgebildet war, und erklärte die Identität damit für ausreichend geklärt. Manchmal ist Berühmtheit eben doch hilfreich.
Und ich? Ich vermisse tatsächlich Mike „Timex“ McDonald. Nicht unbedingt den Kanadier selbst, sondern vielmehr seine frühere Wettplattform PokerShares. Dort habe ich Jahr für Jahr dieselbe Wette abgeschlossen: Deutschland gewinnt mindestens drei Bracelets bei der WSOP. Die Quote lag meist bei etwa 3 zu 1. Manchmal wurde es eng. Sehr eng sogar. Aber am Ende reichte es immer für ein nettes Urlaubsgeld.
Auch dieses Jahr lege ich mich fest: Deutschland holt mindestens drei Bracelets bei der WSOP 2026. Ob das eine fundierte Analyse oder nostalgischer Zweckoptimismus ist, werden wir Mitte Juli wissen. Nach Woche eins spricht zumindest nichts dagegen. Außer vielleicht die Tatsache, dass die meisten deutschen Topspieler noch gar nicht richtig angekommen sind.
Die gute Nachricht lautet also: Die WSOP läuft. Die großen Turniere kommen erst noch. Die meisten deutschen Topspieler ebenfalls. Und die ersten verrückten Geschichten haben wir bereits bekommen. Die Chancen stehen also hervorragend, dass die nächsten sechs Wochen noch deutlich besser werden.
