Poker hat viele Stars hervorgebracht. Lautsprecher. Selbstdarsteller. Genies. Verrückte. Und dann gibt es Kristen Foxen.
Die Kanadierin gewann in der vergangenen Nacht das 25.000-Dollar-High-Roller-Event der World Series of Poker und setzte damit ihrer ohnehin außergewöhnlichen Karriere ein weiteres Ausrufezeichen hinzu. In einem Feld mit 345 Teilnehmern, gespickt mit zahlreichen Weltklassespielern, setzte sie sich am Ende durch und kassierte 1.773.083 Dollar Preisgeld – der größte Live-Gewinn ihrer Karriere.
Der Titel, der ihr besonders viel bedeutet
Es war bereits ihr sechstes WSOP-Bracelet. Doch dieses bedeutete ihr besonders viel. Vor rund zwei Jahren hatte Foxen öffentlich erklärt, dass sie eines Tages ein Bracelet in einem der härtesten Teilnehmerfelder der Welt gewinnen wolle. Viele ihrer bisherigen Titel hatte sie in kleineren Turnieren oder Online-Events gewonnen. Nun erfüllte sie sich genau diesen Wunsch.
Wer Kristen Foxen nur oberflächlich kennt, sieht zunächst die Zahlen. Sechs Bracelets. Mehr als 5,7 Millionen Dollar Preisgeld allein im laufenden Jahr. Knapp 19 Millionen Dollar Preisgeld insgesamt. Vier Turniergewinne über eine Million Dollar allein innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Platz eins der Frauen-All-Time-Money-List. Die erfolgreichste Pokerspielerin der Geschichte. Dabei begann die Karriere der heute 39-jährigen Kristen Foxen, die vielen Pokerfans noch unter ihrem Mädchennamen Bicknell bekannt ist, einst im kanadischen St. Catharines in der Provinz Ontario. Heute lebt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Alex Foxen in Las Vegas – dem Zentrum der Pokerwelt.
Mehr als nur beeindruckende Statistiken
Doch Kristen Foxen ist weit mehr als beeindruckende Zahlen. Sie verkörpert eine Denkweise, von der nicht nur Pokerspieler profitieren können. In Interviews sagt sie immer wieder, dass ihr Erfolg vor allem auf guten Entscheidungen beruhe. Nicht nur am Pokertisch, sondern auch im Alltag. Wenn sie vor einer Wahl steht, fragt sie sich, welche Option ihr langfristig den größten Nutzen bringt.
Gehe ich heute feiern oder schlafe ich ausreichend? Schaue ich stundenlang ziellos auf mein Handy oder lerne ich etwas Neues? Suche ich die kurzfristige Belohnung oder investiere ich in meine Zukunft? Eigentlich sind das keine Pokerfragen. Es sind Lebensfragen.
Foxen arbeitet ständig daran, sich weiterzuentwickeln. Ihr Ziel ist nicht Perfektion, sondern jeden Tag ein kleines bisschen besser zu werden. Eine wichtige Rolle spielt dabei ihr Ehemann Alex Foxen.
Was sie von ihrem Ehemann gelernt hat
Kristen erzählt offen, dass sie Fehler früher oft tagelang oder sogar wochenlang mit sich herumgetragen habe. Schlechte Entscheidungen beschäftigten sie lange. Alex dagegen analysiert einen Fehler kurz, zieht seine Lehren daraus und macht weiter. Kein Selbstmitleid. Keine endlosen Vorwürfe. Keine emotionalen Altlasten. Diese Fähigkeit hat Kristen nach eigenen Aussagen nachhaltig geprägt. Heute versucht auch sie, Fehler nicht mehr in zukünftige Entscheidungen mitzunehmen. Eine schlechte Woche im Beruf beeinflusst die nächste. Ein Streit belastet die folgenden Tage. Ein verlorenes Pokerspiel führt zum nächsten Fehler. Foxen zeigt, wie wichtig es ist, Vergangenheit und Zukunft voneinander zu trennen.
Von Alex hat sie außerdem gelernt, aggressiver zu spielen, neue Perspektiven zuzulassen und Poker nicht nur als Mathematik, sondern auch als kreatives Spiel zu betrachten. Vor allem aber bewundert sie seinen unerschütterlichen Glauben daran, gewinnen zu können.
Warum ich ein Fan von Kristen Foxen bin
Kristen Foxen wirkt nach außen ruhig, bescheiden und bodenständig. Trotz ihrer Erfolge scheint sie nie vergessen zu haben, dass das Leben aus mehr besteht als Poker und Preisgelder. Gleichzeitig gehört sie zu den ehrgeizigsten und erfolgreichsten Spielern der Welt.
Sie gewann die Auszeichnung zur Female Poker Player of the Year bereits 2017, 2018, 2019, 2023 und 2025. Und wenn nichts Außergewöhnliches passiert, dürfte 2026 ein weiteres Jahr in dieser beeindruckenden Liste werden. Schließlich hat Foxen in diesem Jahr bereits mehr Preisgeld gewonnen als die Spielerin auf Platz sechs der Frauen-All-Time-Money-List in ihrer gesamten Karriere.
Für mich persönlich ist Kristen Foxen deshalb weit mehr als die beste Pokerspielerin der Welt. Sie ist der Beweis dafür, dass langfristiger Erfolg oft nicht aus spektakulären Geheimnissen entsteht. Sondern aus tausenden guten Entscheidungen. Jeden einzelnen Tag.
Am Pokertisch. Und im richtigen Leben.
Martin „Potti“ Pott
