Diese WSOPE war fast zu gut, um wahr zu sein.
Es gibt im Poker diese seltenen Momente, in denen einfach mal alles passt. Keine Diskussionen, kein Gemecker, keine „ja aber eigentlich…“-Sätze an der Bar um halb zwei nachts. Einfach nur dieses Gefühl: Das war richtig gut!
Prag war so ein Moment.
Vor ein paar Wochen hatte ich noch geschrieben, wie sehr mir dieses „Live vor Ort“ gefehlt hat. Kein Kellerstudio, kein künstliches Licht, sondern echtes Turnier, echte Geräusche, echte Menschen. Ich hatte mir das alles ein bisschen romantischer vorgestellt als es am Ende war. Denn die Wahrheit ist: Wir haben in Prag tatsächlich aus einem Hotelzimmer gestreamt. Kein Witz.
Das Hilton war komplett ausgebucht. Kein Raum mehr frei. Also haben wir uns kurzerhand mit der Produktionscrew ein Zimmer geteilt. Nachts Schlafzimmer, tagsüber Hightech Studio. Kabel, Rechner, Headsets, irgendwo dazwischen zwei Betten, die sich wahrscheinlich auch gefragt haben, was hier eigentlich passiert. Und das Beste daran: Es hat einfach funktioniert. WLAN stabil, Übertragung sauber bis auf ein paar kleinere Ruckler. Aber keine Katastrophen oder technische Komplettausfälle. Manchmal ist Improvisation eben doch die beste Produktion.
Und während wir kommentiert haben, lief draußen eine WSOP Europe, die sich wirklich sehen lassen konnte. Volle Tische, prima Stimmung, zufriedene Gesichter. Ich habe in diesen zehn Tagen tatsächlich niemanden getroffen, der gesagt hat „das läuft hier irgendwie nicht rund“. Eher im Gegenteil. Egal ob GGPoker, WSOP, die Produktionsfirma, das Hilton selbst oder die umliegenden Läden – alle hatten dieses leise Grinsen im Gesicht, das man nur hat, wenn ein Event besser läuft als geplant. Vielleicht sogar besser als es die kühnsten Optimisten gedacht haben.
Und dann kam noch das Wetter dazu. Prag im Frühling kann vieles sein, aber an einigen Tagen war es einfach schon fast Sommer. Sonne, volle Terrassen, kurze Wege zwischen Turniersaal und Restaurants. Das trägt mehr zur Stimmung bei, als man denkt.
Aus deutscher Sicht war das Ganze ohnehin fast schon zu gut. Fünf Bracelets bei fünfzehn Entscheidungen. Das ist keine gute Serie mehr, das ist ein Statement. Wer es nochmals nachlesen möchte: Meine Chefin hat alles kompakt zusammengefasst. Klar, das ganz große Finale hat gefehlt. Ausgerechnet im Main Event mit über 13 Millionen Euro Preispool hat es „nur“ zu Platz 15 für den besten DACH-Spieler Peter Koevesdi gereicht. Das war schade. Da geht dir als Kommentator und wahrscheinlich auch den meisten Zuschauern ein bisschen die Dramaturgie verloren. Ein deutscher Run am Final Table hätte dem Ganzen nochmal eine ganz andere und spezielle Wucht gegeben.
Trotzdem waren die Zahlen sehr gut, die Resonanz auch. Und vor allem war da dieses Gefühl, dass Poker gerade genau da ist, wo es sein soll. Live, greifbar, mit Geschichten, die nicht immer nur aus dem Rechner kommen, sondern auch vom Tisch. Wenn ich die zehn Tage Prag in einem Satz zusammenfassen müsste, dann wäre es wahrscheinlich dieser: Es waren zwei unfassbar schöne Wochen in Prag, in denen einfach alles von A bis Z prima geklappt hat!
Das Einzige, was nicht ganz so lief wie geplant, war meine Waage. Plus drei Kilo nach zehn Tagen. Ich würde gern sagen, es lag am Stress. Aber ich weiß, dass es eher das dritte Croissant am hervorragenden HILTON-Frühstücksbuffet war. Und der Gang zum italienischen Lieblingsrestaurant nach Schichtende.
Aber gut, das kriege ich wieder runter. Ein paar Wochen sind noch Zeit bis zum nächsten Livestream. Der kommt dann idealerweise und hoffentlich von der WSOP aus Las Vegas. Main Event, Wüste, lange Nächte, noch längere Sessions. Und vielleicht wieder aus einem Hotelzimmer, das plötzlich zum Studio wird. Ich wäre bereit.

